"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Hobbysportler fliegen besser" (Von FLORIAN MADL)

Ausgabe vom 5. März 2008

Innsbruck (OTS) - Nicht einmal ein Gummiparagraf kann die Weltcup-Veranstalter im Fall Matthias Lanzinger schützen.

Kvitfjell, norwegisch für "weißer Berg", hat seine fleckenfreie Weste verloren. Am Schauplatz der olympischen Alpinbewerbe von 1994 legten die Veranstalter im Fall Matthias Lanzinger ein laienhaftes Notprogramm vor, das den Begriff einer "Rettungskette" nicht verdient. Wie konnten die Organisatoren von mittlerweile zwölf Weltcup-Veranstaltungen und mit diesen der Internationale Skiverband auf die Präsenz eines Rettungshubschraubers verzichten? In einer Disziplin, die im Saisonschnitt mit 108 Stundenkilometern bestritten wird? Reichten die mitterweile 29 Verletzten in der laufenden Saison nicht aus, um sich dieser Notwendigkeit bewusst zu werden? Jeder Hobbyskifahrer in Tirol darf sich besser versorgt fühlen, wie ein Anbieter aus der Praxis zu berichten weiß. Der Anflug eines Notarzthubschraubers bis zur Erstversorgung dauert hierzulande im Schnitt etwa zwölf Minuten, im Fall Lanzinger hieß es 45 Minuten auf einen umgebauten Touristen-Hubschrauber warten. Noch hält sich die Opferseite bezüglich einer möglichen Forderung bedeckt. Für Andreas Ermacora, Rechtsanwalt und Vizepräsident des Österreichischen Alpenvereins, jedoch eine Unabdingbarkeit. Der Weltskiverband muss sich hinterfragen und darf gleichzeitig nicht auf die elastische Auslegung von Artikel 19 seines Reglements pochen. Demzufolge sei nur für einen "ordnungsgemäßen Abtransport" Sorge zu tragen, von einem Rettungshubschrauber wäre indes keine Rede. Geradezu ein Hohn in den Ohren eines Menschen, dessen Leben eben eine traurige Wendung erfuhr.

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