Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Globalisierung und SPÖ

Wien (OTS) - Einem Sportler wurde ein Unterschenkel amputiert: Das ist eine Meldung, die man nicht einfach unter "Auswüchse des Spitzensports" abhaken kann. Sie macht auch bewusst, dass Sportverletzungen bei Profis wie bei Amateuren keineswegs immer nur wie Auto-Blechschäden ausgehen, die man halt beim Unfallchirurgen rasch reparieren lässt. Der Sport lässt alljährlich Hunderte mit lebenslänglichen Behinderungen zurück, vom Verlust einzelner Gliedmaßen bis zur Querschnittslähmung.

Doch wird davon sehr ungern geredet. Warum? Weil wir Unangenehmes gern verdrängen, weil die Tourismus-Wirtschaft das Thema nicht mag -aber auch weil uns die Internisten sagen, dass Sport für andere Organe wie das Herz durchaus gesund ist . . .

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Der Kurswechsel der SPÖ in den letzten Wochen ist mit den Kontroversen in der deutschen SPD enger verwandt, als es auf den ersten Blick erscheint. Zum ersten hat da wie dort der Egoismus der Landesparteien die Bundespartei unter Druck gesetzt. In Deutschland wegen der Frage, ob man in Hessen und anderswo mit den "Linken" koalieren darf (immerhin die direkten Erben der DDR-Diktatoren); in Österreich wegen der Panik der Landesparteien, weil diese, seit die Bundespartei mitregiert, keinen Anti-Hauptstadt-Bonus lukrieren können (der hierzulande ja traditionell üppig ist).

Zum zweiten geht es da wie dort um die grundsätzliche Richtung:
Können Sozialdemokraten auch künftig glaubwürdig einen Ausbau des Wohlfahrtsstaates verkünden, wie dies die deutsche "Linke" und Erwin Buchinger suggerieren? Oder müssen sie als Folge der Globalisierung (die im Grund nur mit einer Politik à la Nordkorea zu verhindern wäre) einen "neoliberalen" Richtungswechsel hin zu Sparsamkeit, mehr Marktwirtschaft und Einschränkungen der Wohlfahrt vornehmen, wie es etwa Blair, Brown, Schröders Agenda oder Teile der skandinavischen Sozialdemokraten getan haben?

Die kurze Konjunkturerholung in den letzten drei Jahren hat bei SPD wie SPÖ die alten populistischen Wohlfahrts-Konzepte wieder populär gemacht. Das hat auch manche in den konservativen Parteien angesteckt. Das wird nur nicht funktionieren, weil es bei der kleinsten Konjunkturflaute eine sehr große Krise auslösen wird.

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