WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jetzt kommen die Staatsfonds - aber keine Panik! - von Herbert Geyer

Vor einer feindlichen Übernahme müssen sich nur die USA fürchten

Wien (OTS) - "Jetzt kommen die Staatsfonds", ist die zentrale Aussage der M&A-Experten von MP Corporate Finance: Nach strategischen Investoren und Private Equity-Fonds und -Unternehmen würden künftig bei den internationalen Firmenübernahmen vor allem die großen Staatsfonds das Tempo vorgeben.

An ersten Beispielen für diesen Trend fehlt es nicht: Die durch die Subprime-Krise ins Trudeln geratenen Investmentbanken Citigroup, Merrill Lynch und Morgan Stanley (alle USA) sowie UBS (Schweiz) wurden allesamt von Staatsfonds (aus Singapur, Abu Dhabi und China) aufgefangen.

Und in Europa geht ja schon seit Monaten das große Zittern vor Einkäufern aus Russland und China um, die mit ihren Dollar-Milliarden möglicherweise nicht nur wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Denn die riesigen Dollar-Berge, auf denen die Staatsfonds zwischen Moskau und Singapur sitzen, stammen entweder direkt aus Dollar-Stützungskäufen (China) oder wurden aus Exporteinnahmen abgezweigt, um den Aufwertungsdruck von der eigenen Währung zu nehmen (Russland). Sinnvollerweise sind daher zum Beispiel die chinesischen Devisenreserven überwiegend in US-Treasuries angelegt, um den Dollar zu stützen.

Geld aus diesen Investments abzuziehen braucht China gar nicht zu überlegen, es würde schon genügen, dass der Markt den Eindruck erhält, dass China künftige Zuwächse nicht mehr überwiegend in Dollar anlegt, um den Dollar-Kurs in den freien Fall zu schicken.

Mit ihren angehäuften US-Schatzscheinen könnte die chinesische Führung dann allenfalls den Platz des Himmlischen Friedens pflastern, zu werthaltigeren Zwecken wären sie jedenfalls nicht mehr zu verwenden.

Es ist also kein Zufall, dass der einzige bisher bekannt gewordene grössere Zukauf des chinesischen Staatsfonds die in den USA angesiedelte Investmentbank Morgan Stanley betrifft.

Anders gesagt: Vor großflächigen Einkaufstouren diverser Staatsfonds braucht sich Europa nicht fürchten - vor den Chinesen sicher nicht, vor den Russen eher auch nicht.

Angst vor einer feindlichen Übernahme müssen allenfalls die USA haben, weil jeder Dollar, den die diversen Staatsfonds in dessen Heimat investieren, auch den Wert ihrer bisherigen, ebenfalls bereits in Dollar angelegten Rücklagen stützt. Wir dürfen gespannt sein, wie die US-Politik darauf reagiert.

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