"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Geldprobleme"

Das Bankgeheimnis wird auf Dauer wohl nicht zu halten sein.

Wien (OTS) - Wenn man Österreichs anonymisierte Zinssteuer-Überweisungen an Berlin hochrechnet, müssten etwa 12 Milliarden Euro aus Deutschland hier gebunkert sein. Da die Schätzungen zwischen 50 und 70 Milliarden Euro schwanken, glauben die Deutschen den "Ösis" nicht und wittern Verrat.
Im Visier steht das Bankgeheimnis, und rein EU-technisch betrachtet, muss sich Österreich nicht fürchten. Bis 2014 scheint das Bankgeheimnis, das Vermögende vor neugierigen Steuerbehörden schützt, gut abgesichert.
Sich darauf zurückzuziehen wäre aber falsch, und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist die lautstarke Debatte darüber fast so schädlich wie eine Aufhebung selbst. Und zweitens agiert Deutschland, das die "Steueroasen" beseitigen will, aus einer Position der Stärke heraus:
Wenn das Bankgeheimnis Steuerhinterziehern das Leben leicht macht, dann hat Österreich ein Problem. Und, Hand aufs Herz: Es macht Steuerhinterziehern das Leben leichter.
Auf Dauer wird das Bankgeheimnis - wie die Anonymität der Sparbücher - nicht zu halten sein. Österreich wäre gut beraten, sich an der Neugestaltung schon jetzt aktiv zu beteiligen und nicht bloß "Nein" zu sagen. Sonst wird es ein böses Erwachen geben.

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