AK kritisiert: Teufelskreis aus schlechten Bildungschancen und Armut in Österreich weiter aufrecht

AK fordert eine tiefgreifende Reform des österreichischen Bildungswesens

Wien (OTS) - "Wer arme Eltern hat, hat schlechte Chancen auf eine gute Ausbildung. Das gilt heute leider immer noch in Österreich", sagt Gabriele Schmid, Leiterin der Bildungsabteilung der AK Wien, anlässlich der 7. österreichischen Armutskonferenz. PISA zeigt eindeutig: SchülerInnen aus bildungsnahen Familien erreichen überdurchschnittlich oft Spitzenleistungen; SchülerInnen aus bildungsfernen Familien sind überproportional oft RisikoschülerInnen. "Es entsteht ein Teufelskreis, denn ohne höhere Ausbildung sind die Chancen auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz schlecht", sagt Schmid. Die AK fordert deshalb eine tiefgreifende Reform des österreichischen Bildungswesens. An erster Stelle steht dabei: ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder, ein flächendeckendes Ganztagsschulangebot und eine gemeinsame Schule für alle 10-14jährigen. "Der Zugang zur Vertiefung und Übung schulischen Wissens darf nicht länger vom Bildungsstand der Eltern oder ihren Möglichkeiten für Nachhilfe Geld auszugeben, abhängen", so Schmid.

Die Pisa-Studie zeigt: In Naturwissenschaft hat jede/r fünfte Risikoschüler/in Eltern, die maximal einen Pflichtschulabschluss aufweisen. Beim Lesen und Mathematik ist der Anteil der Jugendlichen unter den Risikoschülerinnen und -schülern doppelt so hoch wie der dementsprechende Bevölkerungsanteil. Auch beim Leseverständnis der SchülerInnen wird offensichtlich: Je höher die Schulbildung der Eltern, desto häufiger lesen sie mit ihren Kindern (63 Prozent der Uni-AbsolventInnen zu 34 Prozent der PflichtschulabsolventInnen) und desto besser fallen die Leseergebnisse bei den Kindern aus: die so geförderten Kinder liegen mit ihren Leistungen in etwa zwei Jahre vor den anderen.

In anderen Ländern zeigt sich: das Schulsystem kann diese Unterschiede ausgleichen und allen gleiche Chancen einräumen. In Schweden, Dänemark oder Irland finden sich deutlich geringere Unterschiede in den Kompetenzen der Kinder nach familiärem Hintergrund.

Die AK fordert deshalb eine tiefgreifende Reform des Schulsystems.

+ ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder
+ ein flächendeckendes Ganztagsschulangebot, damit in der Schule gelernt wird und dort familiäre Defizite ausgeglichen werden können + eine gemeinsame Schule für alle 10-14jährigen, damit alle Kinder Zugang zu Förderung und Forderung über die Schule erhalten und nicht wie bisher Geld, das Eltern für Nachhilfe ausgeben können oder die Zeit, die sie fürs Lernen mit den Kindern aufbringen können, entscheidet. Es soll nicht weiter von den Kenntnissen und Fähigkeiten der Eltern abhängen, ob Kinder weiterführende Ausbildungen bewältigen können oder nicht.

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