Österreichs Politik von "Abfangjäger" bis "Zwentendorf" Michael Spindelegger stellt "Wörterbuch der politischen Sprache" vor

Wien (PK) - Von A wie Abfangjäger über E wie einfaches Parteimitglied bis Z wie Zwentendorf reicht die Bandbreite des "Wörterbuchs der politischen Sprache in Österreich", das heute im Parlament vom Zweiten Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger gemeinsam mit der Österreichischen Forschungsgesellschaft präsentiert wurde. Das von Oswald Panagl und Peter Gerlich im Österreichischen Bundesverlag herausgegebene Nachschlagwerk erklärt Stichwörter zum aktuellen politischen Geschehen und spiegelt überdies die politische Geschichte Österreichs wider. Die Publikation trägt dabei der Erkenntnis Rechnung, dass politische Sprache mehrere Lesarten hat und äußerst unterschiedlich verstanden und interpretiert werden kann - als propagandistischer Wortgebrauch im Wahlkampf oder in Parlamentsdebatten, als Politjargon im Journalismus und im öffentlichen Diskurs oder als offizielles Vokabular für staatliche Institutionen und als Sprache von Gesetzestexten.

Michael Spindelegger sprach von einem Wörterbuch der besonderen Art, das die Begriffe des politischen Alltags, die für viele Menschen "Politchinesisch" geworden sind, erklärt. Die Publikation leiste einen Beitrag zur Zeitgeschichte, da sie die Urheber der jeweiligen Ausdrücke ausfindig macht und damit Wörter wie "Schweigekanzler" oder "Bärentaler", die in 20 Jahren wohl nicht mehr so bekannt sein werden, verstehen hilft, meinte er. Wichtig war für Spindelegger aber auch der Aspekt der politischen Kultur, gehe es doch, wie er betonte, darum aufzuzeigen, dass Politik nicht nur als Sprache zu sehen sei, die im Wahlkampf manipuliert und zu Überspitzung führt.

Herbert Fussy (Österreichischer Bundesverlag) bezeichnete die Verfasser des Wörterbuchs als "Schreibtischhelden" mit einem feinen Ohr für das Politische in der Sprache und würdigte ihre Zivilcourage. Er zog einen Vergleich zum Österreichischen Wörterbuch, als dessen Ergänzungsband das vorliegende Werk ursprünglich angedacht wurde, und bemerkte, Schicksal von Wörterbüchern sei es, dass sie vom Augenblick ihrer Herausgabe an bereits veraltet sind. So hätten Ausdrücke wie "Tschad-Mission" oder "Papamonat" nicht Eingang gefunden. Eine allfällige Neuauflage wäre deshalb überlegenswert, meinte er.

Oswald Panagl (Universität Salzburg) erklärte zur Entstehungsgeschichte des Wörterbuchs, man habe die Stichwörter nicht aufgrund ihrer Häufigkeit, sondern nach Qualitätskriterien ausgewählt. Jeder der Autoren habe aus seiner persönlichen Erfahrung ein Inventar angelegt, in Zusammenarbeit mit Experten aus dem Gebiet der Germanistik, der Zeitgeschichte, der Politologie oder etwa der Linguistik sei es dann gelungen, die anfangs große Zahl an Begriffen auf rund 550 zu reduzieren. Einem pragmatischen Ansatz folgend habe man sich für eine Koexistenz von wissenschaftlichen Termini wie "Nationalrat", "Bundesrat" oder "Verfassung" mit Ausdrücken wie "Hacklerregelung", "Nulldefizit" oder "Milchmädchenrechnung" entschieden, um das Buch für alle politisch Interessierten attraktiv zu machen.

Peter Gerlich (Universität Wien) stellte rückblickend fest, die Herausgabe des Wörterbuchs habe ihm als Politologen die Möglichkeit zu interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Sprachwissenschaftern, Historikern und Juristen gegeben. Erfreut zeigte er sich über die positive Resonanz, auf die das Werk gestoßen ist. Aus dem Versuch, verständlich zu sein, sei ein plastisches Panorama der jüngeren Zeitgeschichte, ein "Lesebuch", geworden. Gerlich schlug ebenfalls vor, das Projekt auf eine dauerhafte Basis zu stellen, und meinte, der reiche Sprachschatz der österreichischen Politik, der kontinuierlich weiterentwickelt wird, sollte in einer neuerlichen Auflage verarbeitet werden.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, bei der sich Heidi Glück, Christoph Kotanko und Andreas Unterberger mit der Frage "Parteien, Medien oder Kreativagenturen; Wer macht die politische Sprache in Österreich ?" auseinandersetzten. (Schluss)

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