"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Politik mit offenem Visier" (Von PETER NINDLER)

Der Umweltanwalt darf zornig sein, aber die Politik musste endlich für den Notweg entscheiden

Innsbruck (OTS) - Die Pitztaler Gletscherbahnen werden sich jetzt vielleicht freuen. Das Machtwort der Landesregierung beendet ein jahrelanges Tauziehen um die Talabfahrt, aus der schließlich ein Notweg geworden ist. Nur als Sieger dürfen sich die Pitztaler nicht fühlen, denn zu oft und zu lange sind sie den Verantwortlichen im Land auf der Nase herumgetanzt. Und die Weisung für den Notweg war sicherlich keine emotionale für die Gletscherbahn-Verantwortlichen, weil sie sich im Recht fühlten und schon gar keine gegen die Natur -sondern eine vernünftige politische Entscheidung.

Der Umweltanwalt darf hingegen zornig sein. Die Politik muss hingegen nach Lösungen suchen, Sackgassen öffnen und Einbahnstraßen auf zwei Spuren befahrbar machen. Wer Gletscher erschließt, darf nicht die gesetzlich vorgeschriebene Evakuierung juristisch verhindern. Außerdem sollen Skigebietserweiterungen dort möglich sein, wo sie Sinn machen. Werden allerdings Gesetze gedehnt, bleiben am Ende nur noch Gummiparagraphen und politische Freunderl- und Günstlingswirtschaft übrig.

Mut und Unmut liegen eng beieinander. Das weiß auch Naturschutzlandesrätin Anna Hosp. Doch sie entscheidet trotzdem. Mit offenem Visier. Sie macht ihre Arbeit, während andere oft zaudern. Die SPÖ wiederum hätte allen Grund gehabt, sich zu profilieren und die Weisung abzulehnen. Doch es spricht für die Vernunft der SPÖ, wegen des Notweges im Pitztal keinen Kleinkrieg vom Zaun zu brechen. Eines wird der an sich unbedeutende Weg im Pitztal aber immer bleiben: ein Symbol für ein unwürdiges (politisches) Schauspiel mit vielen Spielern.

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