WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Besuchen Sie Europa, solange es noch steht... - von Robert Gillinger

...Sie können sich damit aber noch viel, sehr viel, Zeit lassen

Wien (OTS) - Die USA gehen unter und die Welt gleich mit. So
könnte man kurz und bündig die Stimmungslage sowohl in der Politik wie auch an den Finanzmärkten beschreiben. In Schönheit gestorben, kann man da nur sagen. OMV, Voestalpine und wie sie auch immer heissen, präsentieren der Reihe nach Rekordergebnisse, stellen auch für das heurige Jahr neue Rekorde in Aussicht und verweisen dabei entweder auf volle Auftragsbücher oder einen hohen Ölpreis. Wenn auch mit der Einschränkung "Wenn die Welt nicht untergeht...".

Politik und Kapitalmarkt konzentrieren sich dabei immer auf das "Wenn die Welt nicht untergeht" und malen alles schwarz. Zumindest die Einstellung ist zu hinterfragen: Probleme sind da, das wird niemand bestreiten. Sie dürfen aber nicht als Ausrede dafür herhalten, um sich ins Raunzereck zu stellen. Probleme sind da, um gelöst zu werden. Vielleicht sollten sich einige Raunzer als das sehen, was sie eigentlich sind: Manager - egal, ob es um politisches oder wirtschaftliches Management geht. Das Wort leitet sich übrigens vom lateinischen "manus" ab - "Hand". Manager sind also Leute, die andere an der Hand nehmen und führen. Doch wollen wir ins Raunzereck geführt werden?

Zum Glück konzentrieren sich Wolfgang Ruttenstorfer und Co aufs Managen im klassischen Sinn: Erst werden die Ärmel aufgekrempelt und das Geschäft kommt dran. Raunzen können andere, deren Tatendrang dadurch sicher nicht erhöht wird.

Worüber wird überhaupt geraunzt? Dass bei der grössten US-Heimwerkerkette Home Depot wegen der sinkenden Konsumlust der Amis der Gewinn im Vorjahr um fast ein Viertel eingebrochen ist? 4,4 Milliarden sind auch nicht schlecht. Dass die Inflationsraten bei teuflisch hohen drei Prozent liegt? In den 70er- und frühen 80er-Jahren waren wir über jede Zahl unter fünf heilfroh. Dass Wiens Börsebarometer ATX fast 20 Prozent unter seinem Rekordhoch notiert -obwohl in Summe Rekordgewinne ausgewiesen werden? Auf Sicht von knapp eineinhalb Jahren bleibt noch immer ein Plus von mehr als 20 Prozent.

Wir wollen nichts beschönigen. Subprime- und Kreditkrise werden die Welt noch länger in Atem halten und den Kapitalmärkten immer wieder zusetzen. Und natürlich werden die Auswirkungen in einer globalisierten Welt auch in Europa und Österreich zu spüren sein. Aber wird damit wirklich gleich alles den Bach hinuntergehen? Wohl kaum. Mit Ihrem Abschiedsbesuch in Good Old Europe können Sie sich also noch Zeit lassen.

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