Greenpeace-Analyse in Wollsdorf: Keine Überschreitungen, aber Problem mit Risiko-Chemie

Land Steiermark noch immer mit der Veröffentlichung der Messergebnisse säumig

Wien (OTS) - Nachdem Greenpeace-Aktivisten am 6. Februar bei der Firma Wollsdorf Leder eine Abwasser-Stichprobe gezogen hatten, veröffentlichte die Umweltorganisation heute die Messergebnisse:
Dabei liegen alle getesteten Parameter unter den gesetzlichen Grenzwerten, wobei jedoch die umweltgefährdende Risikochemikalie Naphthalin-1,5-Disulphonat in einer äußerst hohen Menge von 13,1 Milligramm pro Liter (mg/l) nachgewiesen wurde.

Das ist rund siebzig Mal höher als derzeit beim Feldbacher Boxmark-Werk. "Wir sind zufrieden damit, dass Wollsdorf Leder das Problem, das in den letzten Monaten die deutlichen Grenzwertüberschreitungen verursacht hat, offenbar unter Kontrolle bringen konnte", kommentiert Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster die Messungen, "doch wir erwarten uns, dass die Geschäftsführung innerhalb der nächsten drei Wochen einen Plan für die Reduktion der Chemikalie Naphthalin-1,5-Disulphonat vorlegt."

Naphthalin-1,5-Disulphonat ist vor allem deshalb so problematisch, weil es persistent, also biologisch nicht abbaubar ist, und sich in der Umwelt anreichert. Aus diesem Grund hat die EU diese Chemikalie auch als "Prioritäts-Chemikalie" in die Wasserrahmenrichtlinie aufgenommen. Das bedeutet, dass Maßnahmen gesetzt werden müssen, um die Einleitung in Gewässer zu vermeiden bzw. sogar einzustellen. Mit der gemessenen Konzentration ist Wollsdorf Leder der mit Abstand relevanteste Einleiter dieser Chemikalie in die Raab, und oberhalb des Abwasserrohrs der Lederfabrik ist diese Chemikalie im Flusswasser auch nicht nachweisbar.

Im Detail wurden vom ungarischen Balint-Labor unter anderen folgende weitere Messergebnisse übermittelt: CSB (chemischer Sauerstoffbedarf): 370 mg/l (im Herbst wurden über 600 mg/l gemessen), AOX (halogenorganische Verbindungen): 0,125 mg/l (im Herbst wurden bis zu 0,8 mg/l gemessen), TOC (gesamter organischer Kohlenstoff): 80 mg/l (im Herbst wurden bis zu 200 mg/l gemessen), Chrom: gesamt 0,32 mg/l (im Herbst wurden bis zu 1,2 mg/l gemessen). Alle diese Werte liegen unterhalb dessen, was Wollsdorf Leder derzeit emittieren darf.

Unzufrieden ist Greenpeace dagegen mit dem Verhalten des Landes Steiermark. "Es ist mehr als ärgerlich, dass die amtlichen Messergebnisse vom 22. Jänner noch immer nicht vorliegen", kritisiert Herwig Schuster. "Wie sollen die Behörden und die Öffentlichkeit in Ungarn auf diese Weise Vertrauen in die Umsetzung des Sanierungskonzeptes für die Raab aufbauen, wenn derart wichtige Daten so lange nicht bekannt gegeben werden?", so Schuster.

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Attila Cerman, Greenpeace Österreich; Tel: 0664-3435354
DI Herwig Schuster, Greenpeace Österreich; Tel: 0664-4319214

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