"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Dinkhauser ist der alte Haider" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 19. Februar 2008

Innsbruck (OTS) - Fritz Dinkhauser erinnert an die Glanzzeiten
Jörg Haiders. Er sammelt den Protest, spricht die Unzufriedenen an und jene, die glauben, ständig zu kurz zu kommen - obwohl der AK-Chef wie LH Haider seit Jahren Teil des politischen Establishments ist. Gleichzeitig sind Dinkhauser und der Ex-FPÖ-Chef mit ihrer verbal-brachialen Art mitverantwortlich für die Verlotterung der Politik. Doch ihre hinterfragungswürdige Robin-Hood-Rolle auf der Politbühne gefällt der Bevölkerung sichtlich besser als die außer Tritt geratenen "Dirty Dancing"-Stars der rot-schwarzen Bundesregierung.

Dinkhauser profitiert zweifach: einmal von der "Wir haben diese Bundesregierung so satt"-Stimmung und von der Schwäche der Tiroler VP. Die überträgt sich naturgemäß auf die Landesregierung und somit auf den Koalitionspartner SPÖ, der ins Umfragetief mitgerissen wird. Mitgehangen, mitgefangen. Der AK-Chef punktet zum Leidwesen der SP aber auch mit klassischen Arbeitnehmerthemen.

Tirol steht aber besser da, als es Dinkhausers möglicher Staubsaugereffekt vermuten lässt. Trotzdem: Die ÖVP hat nicht ein Problem, sondern viele Baustellen: Agrargemeinschaften, Müllfrage, Kitzbüheler Spital oder Raumordnung. Dazu kommen Machtspiele, Animositäten und ungesteuerte Torpedos wie zuletzt BR Hans Ager. Ständig hat man das Gefühl, der sicherlich schwierige innerparteiliche Interessenausgleich funktioniert nicht mehr.

In diesem Klima kann Fritz Dinkhauser gedeihen. Nicht weil er mehr Lösungskompetenz hat, sondern weil es der ÖVP gelingt, ihre erfolgreich zu vertuschen. Oder weil sie einfach (sehr) schwächelt.

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