"DER STANDARD"-Kommentar: "Steuer-Absurditäten" von Andreas Schnauder

Ausgabe vom 19.2.2008

Wien (OTS) - Welcher Spitzenverdiener ächzt nicht unter dem Grenzsteuersatz von 50 Prozent. Und stimmt nicht leidenschaftlich in das Klagelied von der hohen Belastung durch die Sozialabgaben (von denen er ohnehin keine Gegenleistung zu erwarten habe) ein. Auf die Faktenlage stützt sich das Gejammere kaum, liegt Österreich - wie eine neue Untersuchung des deutschen Forschungsinstituts ZEW dokumentiert - doch bei der Belastung der Top-Einkommen Unselbstständiger recht günstig.
Keine Frage: Wer würde nicht gern weniger Obolus leisten? Und dass der Fiskus trotz "historischer Entlastungen" immer stärker mitschneidet, ist belegt. Doch unter dem Strich hält sich die Abgabenlast der Top-Verdiener in Grenzen, wofür eine ziemlich bunte Mischung an Absurditäten verantwortlich ist. Die größten sind die Begünstigung des 13. und 14. Gehalts und die Deckelung der Sozialbeiträge. Diese Begünstigungen nehmen mit der Höhe des Verdienstes zu. Geradezu paradox ist es, eine Flat Tax bei den Einkommenssteuern zu verteufeln und diese bei Körperschaftssteuer und Sozialabgaben (ab der Höchstbeitragsgrundlage) zu praktizieren.
Das heißt nicht, dass die Spitzeneinkommen bei der Steuerreform nicht entlastet werden sollen. Immerhin dürften bereits mehr als 300.000 Personen jenseits der Einkommensgrenze von 51.000 Euro im Jahr liegen, ohne deshalb reich zu sein. Doch die Steuerreduktion muss nicht notwendigerweise über die Senkung des Top-Steuersatzes erfolgen. Solidarischer wäre das Verschieben der Schwelle nach oben. Einige Länder - wie Deutschland - haben versucht, die Reichen noch stärker zur Kasse zu bitten. Die Folgen: Irgendwann ist der Bogen überspannt. Und die Möglichkeiten der Steuervermeidung sind vielfältig.
Andreas Schnauder

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