"KURIER"-Kommentar von Margaretha Kopeinig: "Die Feuerprobe am Balkan"

EU muss Schutzmacht für Serben und Kosovaren sein. Nur das garantiert Frieden.

Wien (OTS) - So groß die Begeisterung der Kosovo-Albaner über die Ausrufung ihrer Unabhängigkeit ist, so zurückhaltend ist sie im Rest Europas. Eine enthusiastische Welle der Anerkennung des neuen Staates ist bislang ausgeblieben. Es gibt eine Menge Bedenken über Folgewirkungen, auch andere Regionen in- und außerhalb der EU haben Appetit auf Abspaltung.
Völkerrechtlich ist die Unabhängigkeit umstritten und birgt viel Spaltpotenzial in sich: So übernimmt die EU die Verantwortung für die "überwachte Unabhängigkeit" und wird zum größten Zahler, obwohl sie selbst uneins ist. Mindestens fünf Mitglieder wollen den Kosovo nicht anerkennen, die Slowakei und Spanien haben das schon deutlich gesagt.
Seit dem Zerfall Jugoslawiens ist der Balkan
außenpolitisch die Herausforderung der EU. Bei Ausbruch der

Kriege Anfang der Neunzigerjahre agierten die EU-Staaten strategielos: Sie schauten weg, analysierten falsch und waren mutlos. Die USA und die NATO waren die Player, im Kosovo sind sie

es noch heute. Unter Druck bot die EU den Balkan-Staaten eine europäische Perspektive an. Dieser Stabilitätsfaktor gehört rasch eingelöst, um Chaos, Angst und Gewalt zu verhindern und Minderheitenrechte zu wahren.
Will die EU Leadership zeigen und ihr Image als Soft Power beweisen, muss sie den Spagat zwischen Pristina und Belgrad schaffen, die Einheit des Mini-Staates zwischen serbischer Bevölkerung sowie

der kosovo-albanischen Mehrheit gewährleisten. Die EU steht vor der Aufgabe, vertrauensbildend und friedensstiftend alte Muster zu überwinden. Europäisches Denken wird von Serben und

Kosovo-Albanern nur dann angenommen, wenn es den Menschen einen Mehrwert bringt.
Gelingt das nicht, bestätigt sich die Warnung des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand in seiner letzten Rede 1995 vor dem Europäischen Parlament: "Le nationalisme, c’est la guerre", "der Nationalismus, das ist Krieg". Am Balkan wird sich zeigen, ob Europa siegt, indem es die Geschichte besiegt.

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