"KURIER"-Kommentar von Ricardo Peyerl: "Letzte Hürde"

Jetzt kommt auch noch Haidinger als Zeuge. Aber dann ist’s genug.

Wien (OTS) - Der Höhepunkt des 69. Prozesstages war der Sturm im Wasserglas einer Schöffin. Der Gutachter Kleiner hatte es mit einer ungeschickten Handbewegung zum Überschwappen gebracht. Von ähnlicher Brisanz ist die Flut an Beweisanträgen der Verteidigung.
Darin wird z. B. die Beischaffung sämtlicher Prüfberichte der Nationalbank über alle österreichischen Banken seit 1989 gefordert. Und es wird die neuerliche Ladung von bereits gehörten Zeugen verlangt, bloß weil man beim ersten Mal auf eine Frage vergessen hat. Das Wort "Verschleppung" liegt in der Luft, auch wenn es Helmut Elsners Anwalt angeblich nur darum geht, "die Wahrheit herauszufinden."
Bei allem Verständnis für die Sorge der Vorsitzenden, sich bzw. der Justiz wegen eines Formalfehlers einen sogenannten Heber - das Kippen des Urteils durch den Obersten Gerichtshof samt Prozess-Wiederholung - einzuhandeln: Irgendwann ist alles doppelt und dreifach und also genügend wiedergekäut.
Einzig der Verdacht, politische Intervention könnte das Vorverfahren beeinflusst haben, steht der Urteilsfindung noch im Weg. Und den versucht die Richterin, ganz ohne Antrag, von sich aus mit der Zeugenladung von Herwig Haidinger auszuräumen.

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