EU-Landwirtschaftsminister fordern EU-Hilfen für Schweinemarkt

Pröll: Rasche Lösung notwendig - COPA: Bis zu 20% der Erzeuger vor dem Aus

Brüssel (AIZ) - Eine Reihe von Landwirtschaftsministern - für Österreich Josef Pröll, sowie unter anderem die Minister Deutschlands, Frankreichs, Polens, Bulgariens und Belgiens - werden heute am EU-Agrarministerrat kurzfristig die anhaltend angespannte Lage am Schweinefleischmarkt der EU zur Sprache bringen. Sie fordern von der Europäischen Kommission höhere Exporterstattungen zur Erschließung neuer Drittlandsmärkte sowie die Ausweitung der Liste der erstattungsfähigen Produkte. Auch die private Lagerhaltung soll ein Thema werden, denn diese Bestände könnten, wenn sie nach fünf Monaten Einlagerung wieder auf den Markt drängen, zu neuen Turbulenzen führen. Daher sollten spezielle Vorschriften der EU sicherstellen, dass die Fleischbestände aus der privaten Lagerhalterung nicht plötzlich und massenhaft auf den Markt drängen und so eine durch die Erstattungen erhoffte Entspannung der Marktlage wieder zunichte machen. "Für diese wichtige Initiative muss auf EU-Ebene rasch eine Lösung gefunden werden. Die Erzeugerpreise sind zuletzt gesunken, während die Kosten für Betriebsmittel - wie für Futtermittel - sehr stark angestiegen sind", so Pröll gegenüber dem AIZ.

Auf Druck der Minister gewährt die Kommission seit Dezember 2007 Erstattungen von EUR 31,10 pro 100 kg für Exporte von Schlachthälften und Teilstücken (frisch oder gefroren) in alle Drittländer sowie für Bauchspeck von EUR 19,40 pro 100 kg. Ende Oktober hat die EU als ersten Schritt des Marktmanagements mit Beihilfen für die private Lagerhaltung von Schweinefleisch begonnen. Bis zu deren Ende mit dem Beginn der erstatteten Exporte wurden knapp 100.000 t eingelagert.

EU-Landwirteverband COPA: Bis zu 20% der Erzeuger kurzfristig vor dem Ende

Der europäische Landwirteverband COPA sprach in einer Aussendung im Vorfeld des Rates von einer "nie da gewesenen Krise", in der sich Europas Schweinefleischerzeuger befänden. Die Erzeuger büßten bis zu EUR 35,- pro gemästetem Schwein ein, nachdem wegen der geringen Verfügbarkeit die Futtermittelpreise um nahezu 50% gestiegen seien und dieser Anstieg der Kosten nicht durch entsprechend höhere Fleischpreise kompensiert worden sei. Die Schweinefleischpreise seien nämlich stattdessen im Jahresvergleich um 8% gesunken.

"Wenn nichts geschieht", warnte COPA-Präsident Jean-Michel Lemétayer, "müssen wir davon ausgehen, dass bis zu 20% der Erzeuger in den kommenden sechs bis zehn Monaten aus dem Geschäft aussteigen". In einem solchen Fall könnte die EU-Produktion möglicherweise nicht länger die Nachfrage nach Schweinefleisch erfüllen und "folglich würden die Verbraucherpreise in schwindelnde Höhen steigen".

COPA fordert unter anderem erleichterte Zulassung von GVO-Futter -Österreich ablehnend

Die Forderungsliste von COPA umfasst neben den von den Ministern angesprochenen Punkten weiters Unterstützung zur Lösung der problematischen Liquiditätslage vieler Schweinehalter sowie die Verfügbarkeit von Futtermitteln zu verbessern. Dies soll geschehen, indem der europäische Pflanzenbau angekurbelt, wieder die Verfütterung von tierischem Eiweiß erlaubt wird und auch die Zulassung von GVO-hältigen Futtermitteln vereinfacht wird. Bekanntlich hat die EU zur Ankurbelung des Ackerbaus in der EU bereits für die Aussaat zur kommenden Ernte 2008 die Verpflichtung für die Landwirte, 10% ihrer Ackerflächen stillzulegen, aufgehoben. Der Rat heute, Montag, sieht sich weiters mit Vorschlägen der Europäischen Kommission konfrontiert, die Inverkehrsetzung weiterer GVO-Konstrukte, unter anderem für den Futtermittelbereich, zuzulassen.

Angesichts der vorliegenden Entscheidungsgrundlagen wird Österreich allerdings alle Anträge auf GVO-Zulassungen ablehnen. (Schluss) pos

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