Gentech-Kartoffel kann Antibiotika-Resistenzen auslösen

EU-Landwirtschaftsminister stimmen heute über Zulassung von "Amflora" ab

Brüssel/Wien (OTS) - Im Vorfeld der heute beim EU-Landwirtschaftsministerrat stattfindenden Abstimmung über die Zulassung der Gentech-Kartoffel "Amflora" übt die Umweltorganisation Greenpeace heftige Kritik an der EU-Kommission und der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA. Die Gentech-Kartoffel enthält das antibiotikaresistente Marker-Gen (ARMG) nptII. Gemäß EU-Recht dürfen derartige Gen-Konstrukte seit 2004 keine Zulassung mehr erhalten. Die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat trotzdem Grünes Licht gegeben. Zusätzlich basiert das Zulassungsdossier auf einer wackeligen Rechtskonstruktion. "Die Kartoffel-Zulassung steht rechtlich auf tönernen Füßen. Wir fordern die EU-Landwirtschaftsminister auf, die europäischen Konsumenten zu schützen und der Gentech-Kartoffel die Marktzulassung zu verweigern", so Steffen Nichtenberger, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace. Die Kartoffel soll zur industriellen Stärkeproduktion und als Futtermittel zugelassen werden. Außerdem soll die Verunreinigung von Lebensmitteln legalisiert werden. Um die Zulassung zu stoppen, ist eine qualifizierte Stimmmehrheit im Rat nötig.

Die Gentech-Kartoffel EH92-527-1 beziehungsweise Amflora ist derart gentechnisch verändert, dass die Pflanze einen erhöhten Stärkeanteil aufweist. Zudem enthält sie das antibiotikaresistente Marker-Gen (ARMG) nptII. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation WHO als auch die Europäische Arzneimittelagentur EMEA kommen zu dem Schluss, dass die von nptII betroffenen Antibiotika Kanamycin and Neomycin wichtig für die Human- und Veterinärtherapie sind. Das spiegelt sich jedoch nicht in der Position der EFSA wider. Diese hatte sich aber im Jahr 2004 gegen die Zulassung von Gen-Konstrukten mit ARMG, die Antibiotika mit hoher therapeutischer Relevanz betreffen, ausgesprochen. In einer für Greenpeace verfassten Rechtsmeinung bringt der britische Kronanwalt Paul Lasok diese rechtlichen Ungereimtheiten auf den Punkt: "Es ist schwierig zu verstehen, warum ein gentechnisch veränderter Organismus im Jahr 2008 zugelassen werden sollte, wenn er ein antibiotikaresistentes Marker-Gen enthält, dessen Verwendung bereits im Jahr 2004 auslaufen hätte müssen".

"Das Zulassungsdossier entbehrt jeglicher rechtlichen Grundlage und zeigt massive Schlampereien im
Gentechnik-Zulassungssystem der EU auf. Denn in Wahrheit ist die Gentech-Kartoffel keiner umfassenden Risikoabschätzung unterzogen worden, wie es das EU-Recht verlangen würde. Die Untersuchung möglicher negativer Auswirkungen auf Artenvielfalt, Gesundheit und Umwelt durch die Lebensmittelbehörde EFSA fehlt ebenfalls", so Nichtenberger.

Zudem übt Greenpeace Kritik am deutschen Chemieriesen BASF. "BASF hätte leicht auf den Einsatz antibiotikaresistenter Marker-Gene verzichten können, es aber aus Zeit- und Geldspargründen nicht getan. Niemand, der bei Sinnen ist, würde wissentlich das Risiko erhöhter Antibiotika-Resistenzen bei Mensch und Tier eingehen und so die Behandlung einer Vielzahl an Krankheiten aufs Spiel setzen", so Nichtenberger abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Greenpeace CEE

Steffen Nichtenberger, Gentechnik-Sprecher
Tel: +43 (0)664 612 67 03
steffen.nichtenberger@greenpeace.at

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