50 Jahre Gelenkwagen bei der Wiener Straßenbahn

Wien (OTS) - Gelenkwagen sind aufgrund der aufwendigen
Konstruktion komplizierter und auch teurer als einteilige Fahrzeuge. Der ursprüngliche Grund für die Entscheidung zum Bau von Gelenkwagen lag hauptsächlich in der Personalnot der Straßenbahnbetriebe zur Zeit des "Wirtschaftswunders" ab etwa 1955. Da auch die Wiener Straßenbahn in den 1960ern dringend Personal brauchte, aber nicht ausreichend bekam, musste man "rationalisieren". In der damaligen Zeit mit einem sehr restriktiven Tarifsystem und strengem "Fahrgastfluss" (hinten einsteigen, vorne aussteigen), bei dem jeder Fahrgast am Schaffner vorbeidefilieren und seinen Fahrschein auch beim Umsteigen markieren lassen musste, schaffte man es mit dem Gelenkwagen und nur einem Einstieg, einem Schaffner die doppelte Menge an Fahrgästen als bei einem zweiachsigen Wagen zuzuweisen.

Type D

So bekam die Firma Gräf & Stift in Liesing im Jahr 1956 den Auftrag, einen Gelenkwagen für die Wiener Straßenbahn zu bauen. Dazu musste man, der damaligen finanziellen Not-Situation gehorchend, ein Fahrzeug schaffen, das zu einem Großteil aus Altmaterial bestand. Als Basis für den neuen Wagen wurden zwei alte Stadtbahnbeiwagen-Fahrgestelle verwendet, für die moderne Wagenkästen erzeugt wurden. Verbunden wurden die beiden Wagenhälften mittels eines Teleskop-Gelenkteiles italienischer Bauart.

Der Prototyp-Wagen der Type "D" mit der Betriebsnummer 4301 wurde am 3. Juli 1957 ausgeliefert. Nach den erforderlichen Probe- und Einstellfahrten konnte dann der erste Gelenkwagen Wiens (und zugleich Österreichs) am 17. Februar 1958 - also vor genau 50 Jahren - auf der Linie 71 seine Jungfernfahrt im Personenverkehr absolvieren.

Von dieser Wagenbauart wurden noch 15 weitere Fahrzeuge mit geringen Abweichungen hergestellt, die bis zum Jahr 1976 auf den Linien des ehemaligen Bahnhofes Währing (9, 41, 42, E2) eingesetzt waren. Diese Fahrzeuge konnten aufgrund ihrer Bauweise als dreiteilige Fahrzeuge mit festen, zweiachsigen Fahrgestellen nie recht überzeugen, auch waren sie aufgrund ihres hohen Gewichtes (28 Tonnen!) sehr schwerfällig.

30 Jahre Gelenkwagen Type E2

Die letzten Gelenkwagen, die in herkömmlicher (= Hochflur) Bauart hergestellt wurden, waren die Fahrzeuge der Type E2, die noch immer auf einigen Linien mit den passenden Beiwagen der Type c5 verkehren.

Diese Triebwagen wurden im Jahr 1978 als Ersatz für die zu dieser Zeit ausgeschiedenen alten Wagen geschaffen. Dem Zug der Zeit folgend, versuchte man schon zu dieser Zeit, trotz traditioneller Bauweise eine Komfortverbesserung für ein- und aussteigende Fahrgäste zu erreichen. Dazu wurden zusätzlich, ausfahrbare Trittstufen montiert.

Gegenüber den lange Zeit stadtbildbeherrschenden Triebwagen der Type E1 wurde das Design modernisiert und die technische Ausstattung der Wagen wurde besonders in den Sicherheitsaspekten erheblich verbessert.

SGP-Simmering (heute Siemens-Verkehrstechnik) baute 98 Triebwagen, von der Firma Bombardier wurden 24 Wagen erzeugt.

Der erste Einsatz der Type E2 im Personenverkehr erfolgte vor 30 Jahren, am 28. August 1978 auf der Linie 6. (Schluss) wstw

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