UNRUHE BEWAHREN!

Museumsarbeit aus Lust an der Gegenwart

Wien (OTS) - "Unruhe ist der Motor der Kunst, Ruhestörung ihre unverzichtbare Aufgabe." postulierte Peter Noever, Direktor MAK, beim MAK-Jahrespresseempfang am 14. Februar 2008. Beim traditionellen Jahrespressegespräch mit dem Titel "UNRUHE BEWAHREN. Museumsarbeit aus Lust an der Gegenwart" präsentierte der MAK-Direktor den anwesenden Journalisten, Künstlern und Vertretern aus Kunst und Kultur das MAK-Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm 2008 und sprach sich "für eine Vielfalt in der österreichischen Museumslandschaft" aus. "In der Komplexität und Vernetzung, die das MAK vorlebt", so Peter Noever, "liegt das Wesen einer zeitgenössischen Kunstinstitution. Ein nach starren Kategorien geordnetes Museumssystem entspricht nicht der zeitgenössischen Realität."
"Dementsprechend bezieht das MAK klar Position", so der MAK-Direktor. "Es steht für eine kritisch-emanzipatorische, nonkonformistische, zeitgenössische Kunst sowie Architektur und Design; insbesondere für die avantgardistisch-randständige, nicht marktgängige Kunst engagieren wir uns seit langem."

Dass Peter Noever "Unruhe bewahren", "Einmischen", "Intervention" als Verpflichtung versteht, dokumentiert auch die Einladung von Beat Wyss, Ordinarius für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, zum Jahrespressempfang. Für Peter Noever ist Beat Wyss’ Vortrag "Zur Lage der Kunst heute" eine "unverfälschte Analyse und Momentaufnahme und stellt gleichsam einen Maßstab zur Orientierung für Kunstinstitutionen dar." Der Vortrag von Beat Wyss ist zugleich der Auftakt zu den MAK-Vorträgen "Im Brennpunkt", in der die Rolle von Museen im rasant sich verändernden Kunstbetrieb diskutiert werden soll. So ist im Mai 2008 ein Vortrag des Kunsttheoretikers Boris Groys zum Thema "Museum in den Medien -Medien im Museum" geplant.

"Museen müssen sich in einem unablässigen Reflexionsprozess ständig neu definieren, nur so bleiben sie Werkstätten der Zukunft. Historisch gewachsene Bestände sind zeitgemäß auszustellen, unter den Präsentationsstrategien sind stets die innovativsten zu wählen. Überhaupt stellt das Nachdenken über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Museums den Kern der theoretischen und den Antrieb der praktischen Museumsarbeit dar", so Peter Noever. Bereits in den Jahren davor hat der MAK-Direktor im Rahmen seiner Museumsarbeit die Institution Museum immer wieder ins Zentrum von Diskussionen und Debatten gestellt und Experten aus Kunst, Kultur und Medien wie u. a. Bazon Brock (Wuppertal), Beate Passow (München), Eugen Blume (Berlin), James Cuno (Chicago), Hans Belting (Karlsruhe), Burghardt Schmidt (Wien), Bruce Hainley (New York), Éric Alliez (London), Christian Reder (Wien), Johannes Gachnang (1939-2005, Bern), Jean-Francois Lyotard (1924-1998, Paris), Eugenio Valdés Figueroa (Havanna, Kuba), Jeffrey Kipnis (Columbus, Ohio), Tilman Spengler (Ambach), Peter Sloterdijk (Karlsruhe), Hermann Lübbe (Zürich), August Ruhs (Wien) und Beat Wyss (Karlsruhe) eingeladen, im MAK ihre Position zum Museum und seiner Aufgabe darzulegen.

Budget 2007 und 2008
2007 standen dem MAK 11,055 Millionen Euro zur Verfügung. Darin waren wirtschaftlich nicht verwertbare Donationserträge 0,929 Millionen Euro enthalten. Die Basisabgeltung betrug 7,998 Millionen Euro. Der Eigendeckungsbeitrag lag somit bei 38 Prozent unter Berücksichtigung der Donationserträge und bei 26,6 Prozent ohne Donationserträge. Davon entfielen auf Personalaufwand 4,886 Millionen Euro, auf Ausstellungen 1,040 Millionen Euro (vor der Ausgliederung noch 1,885 Millionen Euro) und auf Sammlungsankäufe 0,145 Millionen Euro (vor der Ausgliederung noch 0,623 Millionen Euro). Die restlichen Aufwendungen verteilten sich auf den Wareneinsatz im Shop, Abschreibungen für Investitionen, Betriebskosten, Aufwendungen für wissenschaftliche Projekte und Veranstaltungen, Miete, Marketing und Kommunikation sowie Beratungsleistungen.
Infolge der prekären Budgetlage wurde dem MAK ab 2008 ein zusätzlicher Betrag von 0,5 Millionen Euro zugesagt. Diese Erhöhung stellt allerdings nur einen Teil der inflationsbedingten Entwertung (1,4 Millionen Euro seit der Ausgliederung im Jahr 2000) dar. Das MAK hat Anfang 2007 eine von PricewaterhouseCoopers geprüfte Ergebnisrechnung erstellt, die die Situation vor und nach der Ausgliederung zeigt. Die Erhöhung von 0,5 Millionen Euro stellt lediglich 16 Prozent des Zusatzbedarfs von 3,026 Millionen Euro dar. Nach wie vor kann das MAK seine Ankäufe und Ausstellungen nicht in ausreichendem Ausmaß durchführen. 2008 wird das MAK seinen Ausstellungsbetrieb voraussichtlich mit einem Budget von 1,179 Millionen Euro bestreiten müssen. Hilfe von Kooperationspartnern wird erforderlich sein, um große Ausstellungen zur Gänze finanzieren zu können. Insgesamt stehen dem MAK 2008 inklusive aller privatwirtschaftlichen Einnahmen voraussichtlich 10,6 Millionen Euro zur Verfügung.

MAK-Ausstellungen 2008
Dem Prinzip Unruhe entspricht auch die MAK-Kategorie "Crossover". Nach der Ausstellung "COOP HIMMELB(L)AU. Beyond the Blue", die noch bis 11. Mai 2008 zu sehen ist, holt sich das MAK Julian Opie, einen stets um innovative künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten ringenden Grenzüberschreitungskünstler, ins Haus. Seine zwischen Malerei und Skulptur changierenden Arbeiten erweitern die Mach- und Lesarten der Kunst. In der ersten großen Personale Opies in Österreich, "Recent Works" (MAK-Ausstellungshalle, 11.06.-21.09.2008), zeigt das MAK eine Auswahl von Porträts, Aktdarstellungen, Halbfiguren, Landschaftsbildern, Skulpturen und einen eigens für die MAK-Ausstellung entwickelten Werkblock.

Stets hat das MAK zu Kontroversen um die Sinngebung von Geschichte klar Stellung bezogen. Bereits 1996 rückte sich das MAK mit der Veranstaltung "Mauerbach-Benefizausstellung und -auktion", im Auftrag des Bundes¬verbandes der israelitischen Kultusgemeinden Österreichs vom Londoner Auktionshaus Christie’s zum Wohl der Opfer des Holocaust und deren Familien organisiert, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Anlässlich des Gedenkjahres 2008 erinnert das MAK an die katastrophale Zäsur von 1938. "ReCollecting. Raub und Restitution" (MAK-Ausstellungshalle, 03.12.2008-15.02.2009), eine Ausstellung in Kooperation mit Unlimited, rekapituliert konkret dokumentierte, auch auf hausinterner Provenienzforschung basierende Restitutionsfälle.

Die Ausstellung "Josef Hoffmann - Donald Judd: Hypothese" (04.06.-26.10.2008) im Josef Hoffmann Museum, Brtnice, das seit 2006 von der Moravská galerie, Brno, und vom MAK Wien als gemeinsame Expositur geführt wird, illustriert die MAK-Konstante Tradition und Experiment: Donald Judd (1928-1994), eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, trifft auf die Personifikation der Wiener Moderne, den Architekten und Designer Josef Hoffmann (1870-1956).

Kunst denken heißt in Transformationen denken; sinnbildlich dafür steht das Projekt "Postgravity Art - ORBITA NOORDUNG. Dragan Zivadinov, Dunja Zupancic und Miha Tursic" (11.05.-08.06.2008) (NSK -Neue Slowenische Kunst) im MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark: Sputnik trifft Noordung; unter dem Pseudonym Noordung publizierte Hermann Potocnik, der visionäre Pionier der Weltraum- und Satellitentechnologie. Gezeigt wird der Prototyp eines mit Kunst gefüllten, zwischen Imaginärem und Realem schwebenden Satelliten.

Neben den genannten Ausstellungsprojekten ist es dem MAK auch für das Jahr 2008 gelungen, ein anspruchsvolles Programm für die MAK-Galerie, den MAK-Kunstblättersaal und die MAK-Schau- und Studiensammlung zu entwickeln und dem Publikum die unterschiedlichen Aspekte der MAK-Sammlung zu präsentieren.
Highlights sind unter anderem die Fortführung der Reihe "KÜNSTLER IM FOKUS" mit "#4 Franz West. Angewandte Kunst" (29.04.-28.09.2008) und "#5 Heimo Zobernig. Total Design" (21.10.2008-29.03.2009), die Ausstellungen von Arbeiten zweier ehemaliger Schindler-Stipendiaten in der MAK Galerie, "Andreas Fogarasi. 2008" (09.04.-14.09.2008) und "Dorit Margreiter. Global Village Discovery Center" (08.10.2008-08.03.2009), Ausstellungen im MAK-Kunstblättersaal "Julius Deutschbauer / Gerhard Spring. Nur 100 Plakate" (09.04.-17.08.2008) und "Hans Neumann. Vorreiter der Werbegrafik" (10.09.2008-25.01.2009), oder die Schau "2 x Japan. Katagami / Textilien" (15.10.2008-29.03.2009).

MAK-Veranstaltungen
Die Veranstaltungsreihe MAK NITE(C) (jeden Dienstag bis 24 Uhr), die einen avancierten und experimentellen Kunstbegriff verfolgt, wird u. a. mit Maureen Kägi, Habib Asal, Roman Britschgi, Marie-Alice Schultz und Daniel Klemmer, Barbara Husar, Jasmin Ladenhaufen, Manuela Hölzl, Antje Mayer, Margarethe Markovec & Doris Psenicnik (raketa), Ingeborg Strobl, Mieze Medusa, Walter Meissl, Die halbe Wahrheit, John Megill & The Anna Band und Götz Bury fortgesetzt.
Auch 2008 lädt das MAK im Rahmen der Vortragsreihe CHANGING ARCHITECTURE bedeutende Protagonisten der zeitgenössischen Architekturszene ein, ihre Sicht von Architektur in "Lectures" darzulegen. Hernán Diáz Alonso, Wolf D. Prix und David Chipperfield diskutieren über relevante Themen ihrer Architektur.
Im Mai 2008 startet die neue Staffel von START_UP: Designer’s New Projects. Schauplatz ist der MAK DESIGN SPACE, in dem neue, unveröffentlichte Projekte österreichischer Designer vorgestellt werden. START_UP wurde als Starthilfe für neue Designprojekte konzipiert.

Einen detaillierten Überblick über sämtliche MAK-Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das MAK-Jahresprogramm 2008.

MAK Center L.A. / MAK Urban Future Initiative (UFI)
Mit Hilfe einer Förderung in Höhe von 410.000 Dollar, die das Bureau of Educational and Cultural Affairs des U.S. Department of State dem MAK Center for Art and Architecture gewährt hat, konnte ein neues, Maßstäbe setzendes Programm ins Leben gerufen werden: die MAK Urban Future Initiative (UFI). Mit diesem Stipendiatenprogramm des MAK Center im Fitzpatrick-Leland House (von Rudolph M. Schindler, 1936) erhalten interdisziplinär tätige Theoretiker, Städteplaner, Architekten, Soziologen, Wirtschaftswissenschafter u. a. aus Entwicklungs- und Schwellenländern die Gelegenheit, für zwei Monate vor Ort neue Strategien für die stetig sich verändernden urbanen Phänomene zu entwickeln. Neben den Präsentationen der Artists and Architects-in-Residence zeigt das MAK Center die Ausstellung "Cathie Grinnan. Recent Sculpture" (05.09.-30.11.2008).

CAT NOW! Die Sammlung des 21. Jahrhunderts
Das Projekt CAT - Contemporary Art Tower ist eine unvergleichbare Bereicherung für den Kunststandort Wien, das der drohenden Sammlungslücke im Bereich zeitgenössischer Kunst effektiv entgegen wirken soll. Auch ökonomische Bedingungen sprechen eindeutig für die Umsetzung des Contemporary Art Tower: Im Rahmen eines Private-Public-Partnership-Modells ist von Seiten des Bundes und der Stadt Wien ein relativ geringer Investitionskostenbeitrag in Höhe von je 3,5 Millionen Euro erforderlich, um den Kern des Projektes, die Sammlung des 21. Jahrhunderts auf einer Gesamtfläche von rund 12.000 m2, zu realisieren. Diese Investition stellt einen Bruchteil der Summe dar, die Jahrzehnte später für eine nachträgliche Anschaffung von zeitgenössischen Kunstwerken aufgewendet werden müsste. Mit diesem Beitrag wäre gewährleistet, dass der aktuellen Kunst in der Kulturnation Österreich bereits heute der ihr zustehende kulturpolitische Stellenwert eingeräumt würde. Die MAK-Strategie CAT - Contemporary Art Tower für den Gefechtsturm Arenbergpark hält jenseits traditioneller Museumsarbeit ein adäquates Lösungsmodell für die Erfordernisse zeitgenössischer Kunstproduktion parat: Durch ein Artists-in-Residence-Programm soll die internationale Sammlung des 21. Jahrhunderts mit unverwechselbarer Identität entstehen; die Künstler werden ihre Ideen in Dialog mit dem Publikum und unter Berücksichtigung des historischen Hintergrunds vor Ort umsetzen.

Im MAK: Jeden Samstag Eintritt frei Powered by Verbund

Mit Interesse verfolgt das MAK die aktuelle öffentliche Diskussion einen Gratistag im Monat für alle österreichischen Bundesmuseen einzuführen. Bereits im Jahr 2002 führte das MAK als einziges Museum in Österreich und eines von wenigen Museen in Europa einen eintrittsfreien Samstag ein. Peter Noever, Direktor MAK sieht darin eine "demokratiepolitisch essenzielle Maßnahme". Seit 2006 sponsert das führende österreichische Elektrizitätsunternehmen VERBUND den freien Samstag und garantiert damit diese vom MAK gelebte Zugänglichkeit der Kunst für das Publikum.

Das MAK-Jahresprogamm 2008 schickt das MAK-Pressebüro gerne auf Anfrage zu.

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