"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Beißhemmung im Dopingkampf" (Von Florian MADL)

Ausgabe vom 15. Februar 2008

Innsbruck (OTS) - Die Chronologie im heimischen Dopingkampf lässt zeitgerechte Entwicklungsstufen vermissen, die Mär vom "Dopingparadies" kommt nicht von ungefähr. Zunächst befassten sich auch Vertreter heimischer Sportverbände mit anhängigen Verfahren und wurden dabei den Geruch nicht los, im eigenen Saft zu schmoren.

Die Entflechtung wurde begrüßt, die Nationale Anti-Doping-Agentur nimmt ihre Arbeit am 1. Juli 2008 auf und erfreut sich über den doppelten Zuschuss des Bundes (1,2 Mio. statt 600.000 Euro). Das Vorgehen als Erfolg anzupreisen, scheint längst nicht zulässig, da ohnehin erforderlich.

Im Dopingsumpf schwimmen heimische Ermittler allerdings nach wie vor mit gebundenen Händen. Das Bundeskriminalamt ermittelte zuletzt in einer Causa auf Geheiß eines Rechtshilfeersuchens aus Italien, wo Doping im Gegensatz zu Österreich strafrechtlich verfolgt wird. Ein Verfahren im Inland wäre nach aktueller Rechtslage nur über das Arzneimittelgesetz möglich.

Ein Sittenbild: Sport erfreut sich ebenso weit verstreuter Beliebtheit wie Kompetenzverteilung. In der Verantwortung des Bundeslands stehend und das nicht immer auf dem neuesten Stand der Dinge. So wurde das Tiroler Landessportgesetz erst 2006 mit einem Dopingpassus erweitert, nachdem die Grundzüge auf dem Jahr 1952 und einer Novelle von 1972 basieren. Zeiten, da Ermittlungsmethoden wie Dopingfahndung einen Stellenwert hatten wie der Badeschlapfen-Verkauf am Südpol.

Zeit, den Sport dem Zeitgeist anzupassen. Ein strafrechtlicher Rahmen kommt keiner Kriminalisierung, sondern besserer Handhabe gleich. Und dagegen kann sich keiner auflehnen.

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