Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Bei uns doch nicht

Wien (OTS) - In Deutschland krachen reihenweise Banken wie Kaiser-Semmeln, pardon -Brötchen. Etliche kann nur noch der Steuerzahler retten. Die Geldhäuser hatten auf die nun rasch an Wert verlierenden amerikanischen Immobilienkredite gesetzt, zuvor freilich daran auch etliches verdient. In Österreich hat das zum Glück keine Bank getan; die Bawag hat ihre Milliarden ja in einem eher privaten Kasino verspielt (in dem halt bei Chefcroupier Flöttl leider, leider durch einen Computer-Absturz alle Unterlagen verloren gegangen sind).

Warum stehen die Österreicher so viel besser da? Die Antwort fällt leicht: Sie erzielen ihre Gewinne durch Kredite nicht an Amerikaner, sondern an die aufstrebenden Osteuropäer - bei denen es zum Glück noch kein Absturz gegeben hat (lediglich die vom Tugendpfad des Neoliberalismus abweichenden Ungarn mussten Rückschläge hinnehmen).

Dennoch sollten auch die Österreicher die Lehre ernst nehmen: Viel von den Wohlstandzuwächsen der letzten Jahre wurde hierzulande genauso wenig wie in Deutschland durch eigenen Fleiß, sondern durch Kredite ans Ausland erzielt. Doch auch in Osteuropa wird einmal das Ende des leicht verdienten Geldes kommen. Umso notwendiger wäre es (gewesen), sich in den fetten Jahren einiges zu ersparen, statt stattliche staatliche Defizite zu produzieren oder gar durch Geldverteilungsaktionen an Millionen im "Kampf gegen die Inflation" ungedeckte Schecks auf die Zukunft zu ziehen.

Preissteigerungen haben klare Ursachen: einen Konjunkturboom (der uns freilich lange sehr erfreut hat); zu wenig Wettbewerb (siehe die weitgehenden Monopole bei Strom und Gas, beim ORF oder bei der Wiener Gewista; siehe die zu große Marktkonzentration im Lebensmittelhandel oder bei den Printmedien); zu viele Vorschriften (täglich gibt es neue); zu starke Lohnerhöhungen (die der Sozialminister sogar über vier Prozent haben wollte); zu billige Kredite (die gibt es derzeit freilich - noch? - nicht); globale Spekulation (derzeit etwa bei Ölprodukten); und Budgetdefizite (trotzdem wollen manche noch mehr Schulden machen).

Hierzulande wird all dies konsequent verdrängt. Bis uns halt die irgendwann kommende Wachstumskrise im Osten bestrafen wird. So wie es in Deutschland gerade die US-Immobilienkrise tut.

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