EURO-Sonntagsöffnung: Irrationale Fehlentscheidung

Wirtschaftskammer sorgt für unglückliche Familien und frustrierte UnternehmerInnen

Wien (OTS) - Als eine irrationale Fehlentscheidung bezeichnet Christa Buzzi, Präsidentin der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien, die Sozialpartnereinigung zur Sonntagsöffnung während der EURO 2008 in Wien, an der vor allem die Wirtschaftskammer federführend beteiligt war. "Jetzt bleibt noch ein Funken Hoffnung, dass sich der Bürgermeister eher an der Interessen der Wienerinnen und Wiener orientiert statt an kleinen, aber einflussreichen Lobbys", sagt die KA-Präsidentin.

"Selbst BefürworterInnen einer Öffnung müssten nach den wirtschaftlichen Analysen der Weltmeisterschaft in Deutschland gegen eine Öffnung sein", sagt Christa Buzzi. Die Ergebnisse dort waren eindeutig und ernüchternd: "Längere Öffnungszeiten und verkaufsoffene Sonntage erwiesen sich insbesondere an den Spieltagen als Flop. So stand den höheren Kosten für Personal kaum mehr Umsatz gegenüber." In der Region Stuttgart z.B. hatte vor der WM jeder dritte Einzelhändler vor allem mit zusätzlichen Umsätzen durch ausgabefreudige WM-Touristen sowie heimische WM-Fans gerechnet. Tatsächlich profitiert haben dagegen nur gut 13 % aller Einzelhändler. Es blieben jedoch vielfach nicht nur positive Effekte aus, sondern eine überraschend große Zahl von Händlern (40 %) musste sogar Einbußen im Vergleich zum saisonüblichen Geschäft verkraften.

Christa Buzzi bezeichnet es als eine traurige Tatsache, dass die Wirtschaftskammer trotz dieser eindeutigen Ergebnisse das hohe Gut des freien Sonntags aufs Spiel setze und damit auch noch viele Einzelhändler zu einem unnötigen wirtschaftlichen Risiko ermutige. Dass sich Einkaufszentren wie das Donauzentrum oder die Kaufleute der Mariahilferstraße die Lage viel realistischer sehen, macht die Aktivitäten der Wirtschaftskammer noch unverständlicher und irrationaler.

Leidtragende sind vor allem die Handelsangestellten, viele Familien müssen auf eine gemeinsame Freizeitgestaltung an den vier Juni-Sonntagen verzichten. Ein Verzicht, der auch nicht durch finanzielle Zuschläge abgegolten werden kann, denn soziale Beziehungen und Aktivitäten können nie mit Geld aufgewogen werden.

Kritik übt Christa Buzzi auch an den politischen Parteien in Wien:
Wenn sich von vier Parteien keine einzige offensiv gegen die Sonntagsöffnung bei der Euro ausspreche, sei das eine bedenkliche Entwicklung der Wiener Politik. Daher ist die Zusicherung, die Öffnung zur EURO sei kein Präjudiz für eine weitere, generelle Sonntagöffnung, mit Vorsicht im Auge zu behalten.

"Wien ist eine Weltstadt - auch ohne Sonntagsöffnung. Gerade das ist das spezifische an Wien, das uns von vielen anderen großen Städten unterscheidet und darauf sollten wir stolz sein", sagt Christa Buzzi. Sie verweist hier als Beispiel auf die kürzlich aus dem Amt geschiedene US-Botschafterin Susan McCaw, die in einem Interview gesagt hat: "Ich liebe es, dass man am Sonntag mit der Familie ist. In den USA gibt es das nicht. ... Anfangs war es hart, sich zu gewöhnen, aber jetzt finde ich das schön."

Die KA und die christlichen Kirchen werden sich trotz der zu erwartenden Entscheidung weiterhin für einen arbeitsfreien Sonntag einsetzen. "Es braucht in unserer immer schneller werdenden Lebenswelt gemeinsame Ruhezeiten, Zeit für gesellschaftliche Kontakte und auch Zeit für den gemeinsamen Besuch der Sonntagsgottesdienste", ist die KA-Präsidentin überzeugt. Der positive Zuspruch in den letzten Monaten und die mehr als 16.000 Unterschriften sind ein Zeichen dafür, dass viele Menschen das Gefühl für den Sonntag als Zeit des Innehaltens noch nicht verloren haben und somit nur wirtschaftliche und politische Überlegungen der falsche Ansatzpunkt sind.

Zwei Studien aus Deutschland zur Auswirkung der WM 2006 können Sie hier herunterladen:

http://www.ka-wien.at/sonntag/img/fussballwm_stuttgart.pdf
http://www.ka-wien.at/sonntag/img/fussballwm06_volkswirtschaft.pdf

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Marcel Kneuer
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