Handke zur Wahl in Serbien: Kosovo-Autonomie "das Absurdeste, was es je gegeben hat."

Wien (OTS) - In einem politischen Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe nimmt Peter Handke ausführlich zur Situation in Serbien nach der Wahl Stellung. Meldungen, er habe eine Wahlempfehlung für den Nationalisten Nikolic abgegeben, bezeichnet er als "völligen Unsinn (...) Ich habe nur gesagt: "Ich würde ihn gewählt haben. Ich kenne ihn kaum, aber seine Radikale Partei wird im Ausland verleumdet und ganz und gar falsch dargestellt. Wenn da immer steht ,Ultranationalisten’, sollte man allen diesen Journalisten auf die Finger hauen, weil sie ihre Arbeit schon wieder einmal nicht gemacht haben. Nichts als Formeln, die man schnell zur Hand hat! Das sind verletzte Patrioten, Leute, die einfach nicht glauben können, dass durch Erpressung vom Westen her Politik gemacht werden kann."

Die nun geplante Autonomie des Kosovo bezeichnet Handke als "tragische Situation, die der Westen in die ganze Region hineinbombardiert hat. Es gibt keinen Ausweg mehr. Viele Gruppen der Albaner drohen jetzt: ,Wenn wir keinen Staat bekommen, werden wir weiter Gewalt ausüben.’ Unter diesem Druck einem Land die Unabhängigkeit zu geben ist ja das Absurdeste, was es je gegeben hat. Leuten, die mit Gewalt drohen, einen Staat zu überlassen! Das hätte etwas Karl-Valentin-haftes, wenn es komisch wäre. Irgendwann wird es nicht anders möglich sein, als dass wir alle ohne Grenzen leben können. Da wird dann dieser zweite albanische Staat auch dazugehören. Aber im Moment ist die Zeit noch nicht reif. Um das Wort Demokratie, das mir immer schwerer über die Lippen geht, doch noch zu verwenden:
Man hätte im Kosovo ein bisschen mehr Demokratie walten lassen sollen, damit das Volk sich daran gewöhnt. Durch die Verwaltung des Westens ist jedenfalls gerade das Gegenteil eingetreten, Schmuggel und Drogenhandel sind noch stärker geworden."

Zum neuen französischen Präsidentenpaar sagt Handke nur: "Man ist sonst immer froh, wenn man im Ausland ist und nicht die Zeitungen mit den Politikergesichtern sehen muss. Aber sogar wenn man auf dem Mond wäre, würde dieses Paar in der Mondzeitung stehen. So ist es eben:
man ist gierig auf Bilder, und immer auf die gleichen Visagen. Mich geht das nichts an. Ich bin Ausländer und Enklavenbewohner und pflege keine diplomatischen Beziehungen aus meiner Enklave."

Meldungen, er denke daran, das Schreiben aufzugeben, bezeichnet Handke als "Blödsinn. Ich habe nur in einem Interview gesagt, ich kann mir vorstellen, dass meine epische Unternehmung irgendwann einmal vorbei ist (...) Ich habe jedenfalls noch genug zu schreiben." Sein in NEWS angekündigtes Theaterstück über die Kärntner Partisanen habe er noch nicht begonnen: "Ich muss mir von Gott noch ein paar Schaltpunkte eingeben lassen."

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