Nominell +2,4 %, real eine "schwarze Null": 1. Halbjahr rettet Einzelhandels-Jahresbilanz 2007

Lemler: Preissteigerungen primär dem Einzelhandel zuzuschreiben ist "eindimensional und unrichtig" - "Handel nicht schlechtreden" - Kundenfrequenz im Gesamtjahr 2007 steigend

Wien (PWK087) - "Das erste Halbjahr 2007 rettet die Gesamtjahresbilanz des heimischen Einzelhandels", führte Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute, Dienstag, aus. Das geht aus der aktuellen Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria hervor, die auf den Daten von mehr als 4.500 Geschäften basiert und deren Ergebnisse heute, Dienstag, von Handelsobmann Lemler und Peter Voithofer, dem stellvertretenden Direktor der KMU Forschung Austria, präsentiert wurden. Demnach war die Umsatzentwicklung im Einzelhandel im ersten Halbjahr 2007 dynamischer als in der zweiten Jahreshälfte. Die nominelle Umsatzentwicklung im Einzelhandel hat sich seit dem Jahr 2005 kontinuierlich verbessert und im Jahr 2007 die höchste Wachstumsrate seit 2001 erreicht. Real fiel das Umsatzergebnis im Einzelhandel auf Grund der im Vergleich zu den Vorjahren deutlich höheren Preissteigerungen schlechter aus als 2006.

Handelsforscher Voithofer mit dem Zahlenmaterial: "Der Einzelhandel in Österreich konnte im abgelaufenen Jahr 2007 ein nominelles Umsatzplus von 2,4 Prozent gegenüber 2006 erwirtschaften. Im Weihnachtsgeschäft 2007 lag der Umsatz mit rund 1,43 Milliarden Euro auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Absolut betrug der Einzelhandelsumsatz im Jahr 2007 da¬mit rund 44,8 Milliarden Euro. Erstmals seit Jahren fielen die Verkaufspreiserhöhungen im Einzelhandel im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 2,4 Prozent höher aus als die Inflationsrate; damit kam es im Einzelhandel real zu einer Umsatzstagnation."

Vehement hielt Handelsobmann Lemler in diesem Zusammenhang fest:
"Die Preissteigerungen in unserem Land allein dem Einzelhandel zuzuschreiben, ist eindimensional und unrichtig. Ich lasse mir den Handel nicht schlechtreden." Er bezog sich auf Erkenntnisse, die auch führende Wirtschaftsforscher in den vergangenen Tagen herausgearbeitet haben: "Die hohe Inflation in Österreich ist nicht hausgemacht. Der Einzelhandel könne sich den Weltmarktpreisen nicht entziehen. Massiv forderte er eine Versachlichung der Diskussion statt falscher Schuldzuweisungen und verwies auf die hohe Qualität der Lebensmittel, die hohe Wettbewerbsintensität im Einzelhandel, insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel sowie auf das geänderte Ausgabenportfolio von Herrn und Frau Österreicher: So entfallen anteilig immer weniger Ausgaben auf den Bereich Nahrungsmittel. Steigende Rohstoff- und Energiepreise und unterschiedliche Produktionsmethoden in den einzelnen Erzeugerländern finden ihren Niederschlag in der Kalkulation der Einzelhandelsunternehmen.

Seine Forderung an die Politik lautet: "Es braucht zur Stärkung der Kaufkraft eine rasche, aber nichts desto Trotz wohlüberlegte Entlastung unterer und mittlerer Einkommen. Am Beispiel der Kollektivvertragslöhne im Handel veranschaulichte Lemler: "Die Steigerungen liegen über der Inflationsrate." Die Entlastung müsse so ausfallen, "dass den Menschen wieder mehr Geld im eigenen Börsel bleibt." Als Devise für 2008 gab er aus: "Es braucht wieder Konsumlust statt Preisfrust."

Erfreulich sowohl für den Einzelhandel wie auch die gesamte heimische Volkswirtschaft sind zwei Tatsachen:
Dass erstens im vergangenen Jahr erstmals seit 2001 wieder eine steigende Kundenfrequenz zu beobachten war: Insgesamt kamen 2007 um 0,7 Prozent mehr (zahlende) Kunden in die Einzelhandelsge¬schäfte als im Vorjahr. Während die Kundenfrequenz allerdings im ersten Halbjahr zugenommen hat (+2,6 Prozent), war die Anzahl derer, die im Einzelhandel einkauften, in der zweiten Jahreshälfte wieder rückläufig (-1,1 Prozent).

"Und der Handel leistet seinen Beitrag zur Schaffung von mehr Beschäftigung", hielt Handelsobmann Lemler fest: "Im Jahresdurchschnitt waren 2007 im Einzelhandel in Österreich rund 253.500 unselbstständig Beschäftigte tätig, das sind um 3,8 Prozent mehr als im Jahr davor." Dazu kommen die geringfügig Beschäftigten. Und sowohl bei den unselbstständig als auch bei den gering¬fügig Beschäftigten war in allen Monaten des Jahres 2007 ein deutlicher Zuwachs zu beobachten. Am höchsten fiel das Wachstum zu Jahresende (September bis Dezember) aus, am niedrigsten zu Jahresbeginn (Jänner). Damit hat sich der positive Trend der Vorjahre in verstärktem Ausmaß mit der höchsten Wachstumsrate seit 2001 fortgesetzt.

Regional betrachtet verlief die Umsatzentwicklung im Gesamtjahr 2007 im Durchschnitt in allen Regionen positiv: In allen Regionen war im Jahr 2007 das höchste Umsatzwachstum seit dem Jahr 2001 zu beobachten. In den westlichen Bundesländern fiel das nominelle Plus mit 2,7 Prozent höher aus als im Osten (+2,2 Prozent) und Süden (+1,8 Prozent). Die Kundenfrequenz lag in allen Regionen ebenfalls über dem Niveau des Vorjahres, wenngleich in einem deutlich geringeren Ausmaß als die Erlöse.

Im Weihnachtsgeschäft 2007 konnten die meisten Branchen ihre Bilanz in den letzten Dezembertagen noch verbessern. Deutlicher Branchensieger blieb - allerdings ausgehend von einem durch das atypisch warme Wetter im Dezember 2006 bedingten geringen Umsatzniveau - der Sportartikel¬handel. Mit Ausnahme des Spielwaren-, Papier- und Buch-, Schuh- sowie des Bekleidungseinzel¬handels konnten alle Branchen das Umsatzniveau des Weihnachtsgeschäfts 2006 zumindest er¬reichen. Im Spielwarenhandel ist das (geringe) Umsatzminus unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Geschenke für Kinder immer früher und nicht mehr ausschließlich im Fachhandel (z. B. elektronische Spiele) gekauft werden. Am schlechtesten entwickelten sich, wie schon in der Zwischenbilanz, der Bekleidungs- und Schuheinzelhandel.

Auf das Gesamtjahr 2007 gesehen konnten nahezu alle Branchen ein nominelles Umsatzplus erwirtschaften: Der Schuh- sowie der Uhren- und Schmuckeinzelhandel entwickelten sich im Jahr 2007 mit einem nominellen Umsatzplus von 5 % und mehr unter den betrachteten Branchen am besten. Die über¬durchschnittlich gute Bilanz des Schuheinzelhandels ist vor allem auf das erste Quartal zurückzu¬führen, wo das sehr milde Wetter - nach dem kalten und langen Winter des Vorjahres - zu Umsatzzu¬wächsen von mehr als 10 Prozent führte. Der Lebensmitteleinzelhandel, der Einzelhandel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf so¬wie der Möbel- und Bekleidungseinzelhandel konnten Umsatzsteigerungen von mehr als 2,5 Prozent er¬zielen und lagen damit über dem Durchschnitt des Einzelhandels insgesamt. Lediglich der Leder¬wareneinzelhandel konnte das Umsatzniveau des Vorjahres knapp nicht übertreffen. Real konnte ebenfalls der Schuheinzelhandel das beste Branchenergebnis verzeichnen, gefolgt vom Radio-, Elektro-, EDV- und Fotoeinzelhandel. Ein mengenmäßiges Umsatzplus von mehr als 1 Prozent konnten auch der Sportartikelhandel, die Drogerien und Parfümerien sowie der Uhren-und Schmuckeinzelhandel erzielen. Den höchsten realen Rückgang mussten der Einzel¬handel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf sowie der Spielwareneinzelhandel hin¬nehmen.

"Hinsichtlich der Erwartungen der Unternehmer ist gegenüber dem Vorjahr keine signi¬fikante Abschwächung spürbar", zitierte Handelsforscher Voithofer die Erhebungsergebnisse: Demnach erwarten 69 Prozent der Einzelhändler keine Änderung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten drei Monaten (Vorjahr: 70 Prozent). Sowohl der Anteil der Unternehmen, der eine Verbesserung erwartet (19 Prozent), als auch jener, der eine Ver¬schlechterung befürchtet (12 Prozent), liegt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (18 Prozent bzw. 12 Prozent). "Die Unternehmerinnen und Unternehmer sind derzeit mehrheitlich noch optimistisch." (JR)

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