IG Milch: Offener Brief zur aktuellen Diskussion über steigende Lebensmittelpreise

Bad Leonfelden (OTS) - Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit einiger Verwunderung verfolgen wir die Diskussion über steigende Lebensmittelpreise. Wir sehen hier wesentliche Aspekte nicht berücksichtigt und sehen uns dringend veranlasst, diese in die Diskussion einzubringen.

Der Anteil des Einkommens, der für Lebensmittel ausgegeben wird, ist jahrzehntelang kontinuierlich gesunken. Dies konnte auf bäuerlicher Seite am Beginn durch höhere Produktivität, Technisierung und Rationalisierung ausgeglichen werden, hat aber in den letzten Jahren jedoch eine Entwicklung verursacht, die in dieser Form von keinem erwünscht sein kann.

Durch einen gnadenlosen Preiskampf des Lebensmittelhandels mussten zigtausend bäuerliche Betriebe ihre Höfe schließen. Große Regionen, auch in Österreich, sind durch Abwanderung und Verwaldung bedroht, während in Gunstlagen die Produktion in Richtung Massentierhaltung und Chemisierung führt.

Es ist auch kein Zufall, dass in Deutschland mit den niedrigsten Lebensmittelpreisen die meisten Lebensmittelskandale stattgefunden haben (Dioxin-Skandal, Gammelfleisch, BSE,...).

Genauso betroffen von dieser Entwicklung ist das Lebensmittelhandwerk, sowie die selbstständigen Kaufleute, deren Existenz bei dieser Entwicklung systematisch zerstört wird.

Dies führt zu gravierenden Folgen für den ländlichen Raum, die Gesellschaft und die Kulturlandschaft. Billige Lebensmittel sind nur möglich, wenn im Hintergrund tierschutzfeindliche Haltungsformen (Massentierhaltungen) und industrielle Verarbeitung stehen, und die am Wertschöpfungsprozess beteiligten Menschen ausgebeutet werden .Die Reparaturkosten, die dadurch verursacht werden, müssen durch Steuerleistungen finanziert werden.

Billige Lebensmittel sind kein Ersatz für Versäumnisse in der Sozialpolitik!

Durch Aufsehen erregende Aktionen ist es uns in den letzten drei Jahren gelungen, die Folgen des Preisdumpings für die österreichische Gesellschaft zu thematisieren und eine konstruktive gesellschaftliche Diskussion darüber einzuleiten. Der Wohlstand unseres Landes steht in ursächlichem Zusammenhang mit der Erhaltung der noch vorhandenen bäuerlichen Familienbetriebe und Lebensmittelverarbeitungsbetriebe. Die österreichische Lebensmittelproduktion ist in ihrer Art einmalig und zeichnet sich mit überdurchschnittlicher Qualität und bäuerlichen Familienbetrieben, die eine großartige Kulturlandschaft ermöglichen, aus.

Wir sind froh, dass viele KonsumentInnen dies schätzen und auch wissen, dass diese Vorzüge nicht mit ausbeuterischen Dumpingpreisen möglich sind.

Die Konzentration des Lebensmittelhandels sehen wir mit Sorge, jedoch wurden die Vorzüge der österreichischen Qualitätsproduktion auch hier erkannt und eine zukunftsträchtige Sortimentspolitik in den letzten Jahren eingeleitet und durchgeführt.

Wir rufen alle Verantwortlichen Medienvertreter und Politiker, sowie Vertreter von Konsumentenschutzorganisationen auf, diese Sichtweise in der Diskussion zu berücksichtigen und uns die Möglichkeit zu geben, unsere Kompetenz der Betroffenheit mit einzubringen.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Grünzweil Ernst Halbmayr
Obmann IG-Milch Obmannstellvertreter

Ergeht an:

Bundesregierung
Generaldirektor ORF
Diverse Medienvertreter
Arbeiterkammer
Bundeswirtschaftkammer
Landwirtschaftskammer
Nationalratsabgeordnete
Landesregierungen
Lebensmittelhandel

Rückfragen & Kontakt:

Ewald Grünzweil
Tel.: 07213 20591
Mobil: 0664 2023869
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