"KURIER"-Kommentar von Margaretha Kopeinig: "Zum Bleiben verdammt"

Ein Rückzug aus dem Tschad wäre ein Fehler.

Wien (OTS) - Es gibt keinen Zweifel: Die seit Monaten verzögerte und auf Drängen Frankreichs zustande gekommene EU-Mission im Tschad ist schlecht geplant, ein Way-out-Szenario fehlt. Die im Netz

ehemaliger Kolonialmächte gefangene Afrika-Politik der EU ist und bleibt diffus. Dass die Verlegung von Voraus-Kommandos europäischer Truppensteller gerade zu dem Zeitpunkt begann, als die Rebellen-Offensive startete, ist ein Fauxpas und dürfte Außen- und Verteidigungspolitikern nicht passieren. Jetzt, wo Kriegsszenen in der Hauptstadt N’Djamena an Mogadischu erinnern, will Frankreich auf Seite der Regierungsarmee die "Integrität des Landes" sichern. Von seiner scheinbar neutralen Rolle ist dann nichts mehr zu spüren.

Die großen Verlierer des Machtkampfes im Tschad sind die EU, Frankreich selbst und Hunderttausende schutzbedürftige Flüchtlinge. Sie sind nun die ersten Opfer der europäischen Pleite. Um sich als humanitäre Union vor den Augen der Welt nicht völlig zu blamieren, ist die EU gezwungen, im Tschad zu bleiben. Sie kann nur hoffen, dass sich die Lage so weit beruhigt, um rasch zu den Flüchtlingscamps im Osten zu kommen und das eigentliche Ziel der Mission zu erfüllen: nämlich vor Gewalt und Terror flüchtenden Menschen zu helfen.

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