Volkshilfe fordert Neuregelung der Kompetenzen im Pflegebereich

Anlassgesetzgebung von Kdolsky und Bartenstein zur 24-Stunden-Betreuung gefährdet tausende Arbeitsplätze

Wien (OTS) - Im Rahmen der Legalisierung der 24-Stunden-Personenbetreuung hat Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky einen Gesetzesentwurf in Begutachtung geschickt. Darin werden die PersonenbetreuerInnen von der Wirksamkeit des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) - zumindest teilweise - ausgenommen. So sollen nach diesem Entwurf 24-Stunden-PersonenbetreuerInnen künftig Tätigkeiten ausüben dürfen, die bislang nur PflegehelferInnen oder Diplomiertem Gesundheits- und Krankenpersonal vorbehalten waren. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung beim Essen, bei der Körperpflege und der Toilette und die Verabreichung von Medikamenten.

Diese einseitige Änderung der Kompetenzen der Personenbetreuerinnen hätte weitreichende Folgen. Die im Rahmen der Mobilen Pflege und Betreuung zu Hause gut eingeführten Dienstleistungen der Heimhilfe und Pflegehilfe wäre nur mehr schwer vermittelbar. Das führt innerhalb kurzer Zeit unweigerlich zur Zerstörung mühsam und mit öffentlichen Mitteln aufgebauter Arbeitsplätze und persönlicher Existenzen. Österreichweit würden tausende im Angestelltenverhältnis beschäftigte und gut ausgebildete HeimhelferInnen (11.000 in Österreich) und PflegehelferInnen ihren Job an selbständig tätige und großteils unausgebildete PersonenbetreuerInnen verlieren.

Der Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich, Erich Fenninger, nimmt dazu Stellung:" Der Wunsch Pflegender Angehöriger nach Pflegekontinuität und Betreuungsqualität mit möglichst wenigen Bezugspersonen ist verständlich. Eine solche einseitige Öffnung des GuKG ausschließlich für PersonenbetreuerInnen kann aber auf keinen Fall akzeptiert werden. Die Bundesregierung darf Qualität und Sicherheit nicht um jeden Preis nach unten nivellieren!"

Daher fordert die Volkshilfe Österreich die dringende Neuregelung der Berufskompetenzen für ALLE in der "Pflege Zuhause" tätigen Berufsgruppen statt einer Anlassgesetzgebung:

- Nur die PersonenbetreuerInnen von der Wirksamkeit des Gesundheits-und Krankenpflegegesetzes (GuKG) auszunehmen und die Gesundheits-Pflege- und Sozialbetreuungsberufe, insbesondere die der HeimhelferInnen und PflegehelferInnen, nicht in dieses Konzept miteinzubeziehen, gefährdet das gesamte österreichische Betreuungssystem. Im Bereich der Heimhilfe und Pflegehilfe arbeiten in Österreich lebende Frauen und Männer auf österreichischem Lohnniveau (Kollektivvertrag) unter voller Einhaltung der österreichischen Gesetze (vor allem auch des GuKG). HeimhelferInnen und PflegehelferInnen verfügen über eine Berufsausbildung und sind angestellt.

- Die in dem Gesetzesentwurf vorgestellte Delegation von Tätigkeiten durch ÄrztInnen oder diplomiertem Personal an PersonenbetreuerInnen geht auf eine Forderung der Volkshilfe Österreich zurück und ist positiv zu bewerten. "Allerdings", so Fennniger, "können wir uns nicht vorstellen, dass Injektionen oder Kathetersetzen "angelernte Tätigkeiten" werden. Das muss medizinischem Personal vorbehalten bleiben."

Die von der Volkshilfe Österreich geforderte dringende Neuregelung der Berufskompetenzen muss sich an zwei Leitlinien orientieren:
Einerseits an dem Wunsch der betreuten Personen und deren Angehörigen nach möglichst wenigen Bezugspersonen, andererseits darf die über Jahre aufgebaute Betreuungsqualität durch gut ausgebildetes Fachpersonal nicht mit einem Federstrich über Bord geworfen werden. Dem "billigeren" Konzept durch einseitige Ausweitung der Kompetenzen zum Durchbruch zu verhelfen kann nicht der Sinn der Sache sein. In einem gut abgestimmten Gesamtkonzept besteht auch die Möglichkeit, dem Österreich weiten eklatanten Mangel an diplomierten Gesundheits-und Krankenpflegepersonen in der Altenbetreuung zu begegnen und eine Aufwertung dieser diplomierten Berufsgruppe zu erreichen.

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