"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die nötige ORF-Reform würde manch einer nicht überleben" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 01.02.2008

Graz (OTS) - Als Kommentator könnte man - je nach Gemüt -beleidigt sein oder triumphieren. Jahrelang hat man geschrieben, wie ungerecht das Finanzierungssystem des Österreichischen Rundfunks ist, wie wenig dieser seiner öffentlich-rechtlichen Pflicht nachkommt, wie reformbedürftig das Ganze ist. Und dann kommt ein Brieflein aus Brüssel geflogen und plötzlich herrscht allgemeine Einsicht, dass sich etwas ändern muss.

Eine Regierung, die politisch mutig wäre, könnte mit dem Zaunpfahl der EU eine starke Hebelwirkung ausüben und eine ganz große Neuaufstellung des ORF angehen. Allerdings muss man auch sagen, dass kein Generaldirektor, vielleicht sogar auch nicht die Bundesregierung jene Reform überleben würde, die nötig wäre. Nur der ORF selbst - und das allein wäre sie schon wert.

Seit Gerd Bachers großer Kulturrevolution 1967, noch von der Regierung Klaus initiiert und von Bundeskanzler Kreisky (vorerst) geduldet, hat es keine echte ORF-Reform mehr gegeben. Was sich hin und wieder so nannte, war entweder eine ängstliche Annäherung an die Inhalte der privaten Konkurrenz. Oder die Erfindung ständig neuer "Sonderwerbeformen" hart an, manchmal über der Grenze des Legalen. Dann und wann wurde das Gesetz "novelliert", was meist einfach die Grenze des Erlaubten weiter nach außen verschob. - Reformen sehen anders aus.

Im Gedröhn um sinkende Quoten, floppende Serien und erhöhungsbedürftige Gebühren bot der amtierende General Alexander Wrabetz bisher ein eher bemitleidenswertes Bild. Dabei wird er vermutlich ein wenig unter seinem Wert geschlagen. Dem gelernten Kaufmann mag es zwar an Programminstinkt fehlen, Strukturveränderungen sind ihm aber zuzutrauen. So hat er angekündigt, die aufgeblähte Führungsebene um ein Viertel zu reduzieren, er hat eine maßvolle Lohnrunde durchgebracht und das allgemeine Kostenbewusstsein im Haus erhöht.

Für die erwähnte Radikalreform wird das nicht reichen: Für sie müsste der ORF die von Ö1 und auch FM4 täglich vorgegebene Produktlinie für das Fernsehen adaptieren, die Landesstudios zu Kompetenzzentren für Information und Kultur verdichten, den ORF von Werbung weitgehend unabhängig machen und der Regierung die dadurch entfallenden Gelder herausreißen. Und das Unternehmen wohl auch deutlich verkleinern.

Der General selbst würde das nicht überleben, zu hart wären die Kämpfe bis dahin. Der ORF indes würde damit einzigartig, unverwechselbar und somit für dieses Land unverzichtbar.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001