Ressourcen-Gier macht arm

Hochkarätige Expertenrunde diskutiert bei IUFE-Veranstaltung Zusammenhang zwischen Menschenrechten, Umweltschutz und wirtschaftlicher Entwicklung am Beispiel Bergbau

Wien (OTS) - Vor 60 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Dennoch werden diese tagtäglich weltweit schwer verletzt. Beim Abbau von Bodenschätzen geht die Ausbeutung von Mensch und Natur oft Hand in Hand. Schwere Umweltzerstörungen, die Vernichtung der traditionellen Lebensgrundlagen der Menschen und soziale Konflikte sind häufige Folge der "Ressourcen-Gier".

Diesem brisanten Thema widmete sich gestern Abend eine Veranstaltung des Instituts für Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) und seiner Kooperationspartner Politische Akademie, Renner Institut, Grüne Bildungswerkstatt und FIAN.

Überprüfbare Mindeststandards sichern

Michael Schaller von der Agentur für Nachhaltigkeit "sustainable" plädierte für überprüfbare Mindeststandards, deren Einhaltung von der WTO zu sichern sei, für ethisch korrekte Wertschöpfungsketten und für gerechte Preise. Schon heute gebe es Unternehmen, die auf Arbeitsbedingungen bei Zulieferern, auf das Verbot von Kinderarbeit oder Bestechung Wert legten. Die Rahmenbedingungen des politischen und wirtschaftlichen Handelns seien zu ändern. Nicht zuletzt brauchen wir einen anderen Lebensstil.

Kulturanthropologe Andreas Obrecht betonte, dass das Thema Menschenrechte Entwicklungspolitik und Entwicklungsforschung begleite. Aus dem Blickwinkel der Betroffenen handle es sich bei der Ausbeutung von Bodenschätzen durch ausländische Unternehmen um einen Ausverkauf ihrer Ressourcen. Indigene Strukturen und damit Kulturen würden tendenziell zerstört. Staaten mit schwachen Institutionen und Kontrollinstitutionen würden die Korruption fördern. Zudem müsse man fragen, ob Privatisierungen im Bergbau-Bereich nicht armutsfördernde Effekten hätten.

Politik darf sich nicht aus Verantwortung stehlen

Christoph Grabmayr (Wirtschaftskammer Österreich) stellte klar, es sei ureigenste Aufgabe der staatlichen Verwaltung, die Regeln für das Wirtschaftsleben aufzustellen und durchzusetzen. Diese Aufgabe dürfe und solle man einem Staat auch nicht abnehmen. Die Politik dürfe sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen und den Unternehmen auftragen, sich "gefälligst moralisch zu verhalten". Grabmayr verwies darauf, dass es im Bergbausektor eine Vielzahl von Initiativen der Unternehmen auf freiwilliger Basis gebe, um Projekte sozial- und umweltverträglich durchzuführen. Als Beispiel nannte er das "framework for responsible mining".

Ralf Leonhard (Foodfirst Information and Action Network / FIAN) plädierte für völkerrechtliche Verpflichtungen statt freiwilliger Vereinbarungen von Unternehmen. Wenn man Unternehmen zwinge, bestimmte Standards bei der Ausbeutung von Bodenschätzen einzuhalten, würden viele Bodenschätze nicht abgebaut werden. Dies könne für die lokale Bevölkerung von Vorteil sein.

20 Tonnen Abfall für einen goldenen Ring

Als Resümee der Diskussion präsentierte IUFE-Geschäftsführerin Petra Gruber ein Bündel von Forderungen: So müssten Menschenrechtsanliegen und Umweltschutz vor Gewinninteressen gestellt werden, wofür es klare Vorgaben und ein unabhängiges Monitoring brauche. Verstöße müssen Sanktionen zur Folge haben. Einnahmen aus Rohstoffen seien sinnvoll zu verwenden, dabei sei Transparenz auch im Hinblich auf Demokratisierung ein wichtiges Thema. Schließlich seien wir alle als Konsumenten und Bürger aufgefordert, die Entscheidungsträger auf ihre Verantwortung hinzuweisen und auch selbst Verantwortung wahrzunehmen. Wem sei schließlich bewusst, dass für einen kleinen Goldring, der Glück oder ewige Liebe symbolisieren solle, rund 20 Tonnen Minenabfall produziert würden, fragte Gruber.

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Dr. Petra C. Gruber
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