Hinterleitner: "Wollen kein Fußnotenchaos auf heimischen Speisekarten"

Fachverband kritisch gegenüber Vorhaben der EU-Kommission zur verpflichtenden Kennzeichnung allergener Stoffe im Gastgewerbe

Wien (PWK075) - "Bestmögliche Informationen für Kunden sind uns wichtig. Aber wir wollen keine gesetzlichen Vorschriften, die uns Speisekarten im Telefonbuchformat bescheren", zeigt sich der Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich, Helmut Hinterleitner, kritisch gegenüber Vorhaben der EU-Kommission zur verpflichtenden Kennzeichnung allergener Stoffe im Gastgewerbe. Die EU-Kommission hatte gestern einen Vorschlag über die Neuordnung der bestehenden Kennzeichnungsvorschriften vorgelegt.

Während man bei verpackten Lebensmitteln erkennt, dass die derzeitigen Kennzeichnungen eher zu Verwirrung des Konsumenten als zur Information beitragen, weshalb es dort Vereinfachungen geben soll, will die Kommission im Gegenzug eine Kennzeichnung potenziell allergen wirkender Stoffe nun für das Gastgewerbe neu einführen, ärgert sich Hinterleitner: "In der Praxis würde eine solche Kennzeichnungsvorschrift zu einem unzumutbaren administrativen Mehraufwand für die Betriebe führen. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe mit ihrem täglich wechselnden Produktsortiment und ihrer großen Produktvielfalt könnten den Mehraufwand nicht bewältigen". Gerade die Gastronomie lebe von spontanen Produktvariationen. Speisekarten im Umfang von Telefonbüchern oder ein unüberblickbarer Schilderwald an den Verkaufstheken sei nicht im Interesse der Gäste.

Zumindest in Österreich wünschen sich dies die Konsumenten nicht, verweist der Sprecher der heimischen Gastronomie auf Ergebnisse von Meinungsumfragen. Wie das Meinungsforschungsinstitut Karmasin in einer repräsentativen Umfrage festgestellt hat, sind 76 Prozent der Gäste mit der bisherigen Auszeichnung auf den Speisekarten zufrieden. Ein Hinweis auf möglicherweise allergen wirkende Stoffe auf den Speisekarten wird nur von 14 Prozent der Gäste gewünscht.

"Es ist für uns unverständlich, dass sich die EU-Kommission bei diesem Thema überhaupt in die nationale Gesetzgebung einmischen will. Wir halten dies auch für juristisch durchaus bedenklich. Anders als die Industrie sind Gastronomiebetriebe ja durchwegs nur auf regionaler Ebene tätig. Es ergeben sich hier keinerlei Auswirkungen auf den innergemeinschaftlichen Handel, was allein eine solche Maßnahme im Sinne der EU-Verfassung rechtfertigen würde", so Hinterleitner.

"Selbstverständlich arbeiten wir daran, dass das Wissen über Lebensmittelunverträglichkeiten in der Branche weiter vertieft wird, damit jeder Allergiker bei Bedarf entsprechende Auskunft im Lokal erhält. Dazu brauchen wir aber keine komplizierten und verwirrenden Sternchen und Fußnoten auf den Speisekarten", betont der Fachverbandsobmann. (hp)

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