Wiener Arbeitsmarkt: Bessere Jobchancen durch Qualifikation

waff: Maßgeschneiderte Angebote für 23.000 WienerInnen an - Brauner fordert rasche Umsetzung des Lehrlingspakets

Wien (OTS) - Die Lage auf dem Wiener Arbeitsmarkt hat sich 2007 positiv entwickelt. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote in Wien auf 8,5 Prozent gesunken. 2006 lag dieser Wert bei 9,3 Prozent. Damit setzt sich in Wien der seit 2005 anhaltende Trend eines deutlichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit sowie einer Zunahme bei den Beschäftigungszahlen fort.

"Zwei Gründe sind für die anhaltend positive Entwicklung am Arbeitsmarkt entscheidend", analysiert Vizebürgermeisterin und Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Mag.a Renate Brauner. "Zum einen sicher die gute Konjunktur. Und zum anderen ist es uns gemeinsam mit den Sozialpartnern, dem waff und dem AMS gelungen, den wirtschaftlichen Rückenwind für die arbeitlosen Menschen optimal zu nutzen. Dieses erfolgreiche Zusammenwirken aller arbeitsmarktpolitischen Akteure in Wien führte zu einer Verbesserung ihrer Jobchancen", so Brauner anlässlich der Präsentation der Schwerpunkte in der Arbeitsmarktpolitik gemeinsam mit Mag. Fritz Meißl, Geschäftsführer des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff).´

Lehre: 17.500 Lehrstellen in Wien

2007 ist in Wien die Arbeitslosigkeit von 9,3 auf 8,5 Prozent gesunken. Besonders erfreulich ist der Rückgang der Frauenarbeitslosigkeit, die aktuell einen Wert von 7 Prozent erreicht hat und damit deutlich niedriger als die Arbeitslosigkeit der Männer ist (9,9 Prozent).

Seit 2006 verzeichnet die Jugendarbeitslosigkeit ebenso einen Rückgang, der allerdings weniger stark ausgeprägt ist als bei der Gesamtarbeitslosigkeit. 2007 waren 9.413 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren in Wien auf Jobsuche, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent.

Der Lehrstellenmarkt verzeichnete 2007 einen weiteren Zuwachs an Lehrstellen: 17.500 Jugendliche haben ihr Lehrverhältnis in Wien, das ist der höchste Wert seit zwölf Jahren. 23 Prozent dieser Jugendlichen pendeln aus den angrenzenden Bundesländern nach Wien ein und absolvieren hier ihre Lehre.

Mehr Beschäftigung: 11.000 neue Jobs für Wien

Das positive Wirtschaftswachstum hat auch zu einem Zuwachs an neuen Jobs geführt. Die Standardbeschäftigten - das sind voll versicherte ArbeitnehmerInnen - verzeichnen 2007 einen Zuwachs von 1,4 Prozent auf insgesamt 774.760 Stellen. Das entspricht 11.000 neuen Teilzeit- und Vollzeitjobs. Gewachsen ist allerdings auch die Zahl der geringfügig Beschäftigten von 51.333 auf 54.506 (+6,5 Prozent), während es bei den freien DienstnehmerInnen einen Rückgang gab. Die Frauenerwerbsquote ist in Wien (Stand 2006) mit 76,2 Prozent fast genauso hoch ist wie jene der Männer von 76,6 Prozent.

waff unterstützt 23.000 Wiener ArbeitnehmerInnen

2008 stehen in Wien für die unterschiedlichen Initiativen und Programme des waff Mittel in der Höhe von rund 56 Mio. Euro bereit. Rund 23.000 Wiener ArbeitnehmerInnen können damit im laufenden Jahr neu unterstützt werden.

"Der waff setzt mit seinem maßgeschneiderten Angebot die richtigen Schwerpunkte", erklärt Vizebürgermeisterin und Wirtschafts-und Finanzstadträtin Mag.a Renate Brauner. Rund 60 Prozent der TeilnehmerInnen der vom waff durchgeführten oder beauftragten Maßnahmen sind Frauen und etwa ein Viertel sind MigrantInnen.

Die Zielgruppen des waff

Die Angebote des waff richten sich an drei wesentliche Zielgruppen:

o Unterstützung von 9.600 arbeitslosen Personen in enger Kooperation mit dem AMS Wien, das für diese Zielgruppe in erster Linie zuständig ist; o Unterstützung von 13.400 berufstätigen WienerInnen, für die der waff ein österreichweit einzigartiges Angebot an Information, Beratung und finanzieller Förderung für Qualifikationsmaßnahmen und Weiterbildung zur Verfügung stellt; o Unterstützung von 820 Wiener Unternehmen bei der Suche nach passenden MitarbeiterInnen (z.B. waff-Personalfinder) und bei der Qualifizierung von MitarbeiterInnen.

Abgerundet wird das Angebot des waff durch eine enge regionale Arbeitsmarktkooperation sowohl auf Ebene der Wiener Bezirke als auch auf internationaler Ebene.

So koordiniert der waff weiterhin den Territorialen Beschäftigungspakt Wien und arbeitet mit den Bezirken an neuen Beschäftigungsinitiativen. Die Zusammenarbeit zwischen den überregionalen Partnern Wien-Bratislava wird 2008 fortgesetzt.

Schwerpunkte der Wiener Arbeitsmarktpolitik 2008

Neben der Fortführung erfolgreicher Programme und Maßnahmen hat der waff 2008 neue Akzente und Schwerpunkte geplant. "Für den waff haben vor allem drei Themen Priorität: Erstens die Unterstützung von jungen Menschen beim erfolgreichen Einstieg in Berufsausbildung und Beruf. Das sind die Fachkräfte der Wirtschaft von morgen. Zweitens die Verbesserung der beruflichen Entwicklungschancen von bildungsfernen und bildungsbenachteiligten ArbeitnehmerInnen. Und drittens maßgeschneiderte Hilfe für Personen, die besonders lange beschäftigungslos waren, oft gesundheitliche Beeinträchtigungen haben und nicht selten Sozialhilfe beziehen müssen", erklärt Fritz Meißl, Geschäftsführer des waff, die Schwerpunkte für 2008.

o Schwerpunkt I: Ausbildungsgarantie für Jugendliche

Die wesentlichsten Positionen und Forderungen Wiens zur Unterstützung von Lehrstellen suchenden Jugendlichen haben jetzt auch auf Bundesebene Gehör gefunden: Auf Initiative der Sozialpartner ist die Bundesregierung dabei, die Voraussetzungen für die im Regierungsübereinkommen zugesagte Ausbildungsgarantie zu schaffen. "Ich begrüße ausdrücklich die Einigung der Regierung mit den Sozialpartnern über ein Lehrlingspaket. Die wichtige Ausbildungsgarantie für Jugendliche gilt es seitens des Bundes rasch zu finanzieren und umzusetzen", so Brauner zu einer anstehenden Reform der Arbeitsmarktpolitik für Jugendliche.

Jetzt stehen in Wien 13,8 Mio. Euro zur Verfügung, um 5.000 jungen Menschen eine Ausbildung zur ermöglichen oder den Einstieg in den Job zu erleichtern. Den Kern davon bildet derzeit das engmaschige Auffangnetz im Rahmen des JASG (Jugendausbildungssicherungsgesetz) für 4.100 Jugendliche, die keine betriebliche Lehrstelle finden konnten. Wien stellt alleine heuer dafür 12,4 Mio. Euro und damit ein Viertel der Gesamtkosten zur Verfügung, um diesen Jugendlichen einen Lehrabschluss zu ermöglichen.

Neu fördert der waff das Projekt "Spacelab", das sich an etwa 120 Jugendliche richtet, die beispielsweise eine Schule oder Lehre abgebrochen haben und auf sich gestellt keine Perspektive am Arbeitsmarkt hätten. Sie werden in diesem niederschwelligen Beschäftigungsprojekt zuerst psychisch stabilisiert und leisten einfache Arbeiten, um ihr eigenes Geld zu verdienen und werden so mit den Regeln des Berufslebens vertraut.

Fortgeführt wird die vom waff geförderte Initiative Lehrstellenakquisition der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Wien, die Betriebe vor allem beim Einstieg zur Lehrausbildung beraten. Der waff fördert die Ausbildung von MitarbeiterInnen zu LehrausbildnerInnen und die waff-Lehrlingsfinder übernehmen gemeinsam mit dem AMS kostenlos die gesamte Vorauswahl an BewerberInnen.

o Schwerpunkt II: Unterstützung von Beschäftigten

Der waff baut 2008 sein einzigartiges Unterstützungsangebot für Wiener Beschäftigte aus. Neu startet ein Pilotprojekt, mit dem Ziel für 160 TeilnehmerInnen kostenlos eine Kompetenzenbilanz zu erstellen. Vorrangig niedrigqualifizierte Personen und MigrantInnen, können durch dieses innovative, durch das Zukunftszentrum Tirol entwickelte Verfahren, persönliche Fähigkeiten und Fertigkeiten für das Berufsleben sichtbar machen. Konkret werden in intensiven Beratungen alle Lebensbereiche nach beruflich relevanten persönlichen Stärken durchleuchtet, z.B. nach Kompetenzen, die durch Freiwilligenarbeit Migrationserfahrung oder Familienmanagement ergeben. So werden Kompetenzen vor allem von Personen mit geringen formale Bildungsabschlüssen bzw. von Menschen, die diese in Österreich nicht verwenden können, sichtbar gemacht. Das Ergebnis ist eine schriftliche Kompetenzenbilanz in der zentrale Kompetenzen von der/dem Kundin/Kunden in Unterstützung mit dem Coach erfasst und beschrieben werden. Der waff setzt für dieses Projekt etwa 280.000 Euro ein.

2008 erhöht der waff die finanzielle Förderung von berufstätigen Frauen und WiedereinsteigerInnen um rund 251.000 Euro. Ebenso wird das Beratungsangebot ausgebaut. Der Großteil entfällt hier auf FRECH (Frauen ergreifen Chancen), dem Beratungs- und Förderprogramm für beschäftigte Wienerinnen, das nun auf 1,5 Mio. Euro für die finanzielle Unterstützung von Frauen bei der beruflichen Fortbildung zurückgreifen kann. Nach einer intensiven Beratung, in der berufliche Veränderungsmöglichkeiten geklärt, Ziele fixiert und konkrete Schritte geplant werden, können Teilnehmerinnen mit bis zu 3.700 Euro für berufsbezogene Weiterbildung gefördert werden. NOVA berät außerdem Personen, die ein Kind erwarten vor und während der Babypause und Mütter oder Väter, die nach der Karenz wieder in den Job einsteigen wollen.

Insgesamt stehen für diesen Schwerpunkt rund 8 Mio. Euro bereit, um mindestens 12.200 ArbeitnehmerInnen zu informieren, zu beraten und finanziell zu fördern. Das "Bildungskonto", die Basisförderung des waff, wie auch "PISA Plus" für das Nachholen von Bildungsabschlüssen und die speziellen Programme für Frauen und WiedereinsteigerInnen -die passgenauen Angebote des waff für die positive berufliche Weiterentwicklung werden weiter geführt.

o Schwerpunkt III: Ausgrenzung verhindern

Trotz guter Konjunktur und Arbeitsmarktentwicklung gibt es in Wien Menschen, die von einer dauerhaften Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt bedroht sind. Mehr als 30.000 Personen sind langzeitbeschäftigungslos, da sie länger als ein Jahr keinen Job haben.

Vor diesem Hintergrund wurde über den Beschäftigungspakt Wien, zusätzlich zu bereits bestehenden Maßnahmen des waff und des AMS, ein Unterstützungspaket für 3.600 ausgrenzungsgefährdete Personen mit einer Laufzeit von zwei Jahren geschnürt. Im Mittelpunkt stehen SozialhilfebezieherInnen, aber auch Jugendliche mit besonders großen Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, und MigrantInnen. Insgesamt sollen im Rahmen dieses Paketes 8,9 Mio. Euro zum Einsatz kommen, 3,4 Mio. trägt davon die Gemeinde Wien. 46 Prozent sind Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF), die vom waff im Auftrag des Beschäftigungspaktes Wien beantragt wurden. Neben dem waff und dem AMS sind die MA 40 (Magistratsabteilung für Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht), die MA 17 (Magistratsabteilung für Integrations-und Diversitätsangelegenheiten) und die Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien eingebunden.

Damit steht ein mehrstufiges und aufeinander abgestimmtes Paket für ausgrenzungsgefährdete Personen zur Verfügung. Am Anfang des Prozess steht die medizinische Diagnostik der Arbeitsfähigkeit.

Für Personen, die aufgrund vielschichtiger Problemlagen Schwierigkeiten beim dem Jobeinstieg haben, stehen je nach individueller Anforderung maßgeschneiderte Beschäftigungsprojekte bereit: Besonders niederschwellig angesetzt ist "h/k/e (Handwerk/Kunst/Entwicklung, Caritas)", das TeilnehmerInnen vorerst grundlegende Arbeitstugenden, wie z.B. Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit vermittelt. In weiterer Folge gibt es zwei weitere Beschäftigungsprojekte: "TRAIN" (bfi) und "JE_TZT", die durch Coachings, Praktika und Beschäftigung die TeilnehmerInnen auf den Eintritt ins Berufsleben vorbereiten. TRAIN erfasst z.B. die Kompetenzen der TeilnehmerInnen und bietet Beschäftigungsmöglichkeiten durch Praktika. Bei JE_TZT hingegen kann z.B. eine arbeitsplatzorientierte Qualifizierung absolviert werden. Die TeilnehmerInnen werden außerdem für 30 Stunden bei den Projekträgern, Caritas und Volkshilfe, angestellt. Fast 600 von Ausgrenzung bedrohte Personen können sich in diesen drei Projekten beraten und qualifizieren lassen.

Die nächst "höhere" Stufe bildet schließlich "Jobchance", in dem die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt im Mittelpunkt steht. Mehr als 2.000 SozialhilfebezieherInnen wurden seit Programmstart im Jahr 1998 erfolgreich vermittelt. Die TeilnehmerInnen von Jobchance konnten erfolgreich an 1.500 Betriebe vermittelt werden. Allein im Jahr 2007 waren es rund 500 erfolgreich Vermittelte. Der finanzielle Nebeneffekt für die Stadt Wien: Mit dem Programm konnten seit 1998 abzüglich der Programmkosten 4 Millionen Euro an Sozialhilfegeldern gespart werden.

Damit steht ein mehrstufigen und aufeinander abgestimmtes Paket für ausgrenzungsgefährdete Personen zur Verfügung. Am Anfang des Prozesses steht die medizinische Diagnostik der Arbeitsfähigkeit. Neu ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Institut für Suchtdiagnostik für Personen mit Alkohol- bzw. Drogenproblemen. Ziel ist es festzustellen, ob eine Person grundsätzlich arbeitsfähig ist, und Empfehlungen für weitere passgenaue Unterstützungen auszusprechen.

Liegt eine Suchterkrankung vor, steht das Projekt "Standfest" bereit. In psychosozialer Einzelbetreuung werden z.B. soziale Kompetenzen wieder trainiert und Karrierepläne erstellt. Ziel ist es, mehr als die Hälfte der 400 TeilnehmerInnen am Ende des Prozesses als "arbeitsfähig" diagnostizieren zu können und sie sanft in die Rückfallprävention zu entlassen. Außerdem finden im Case-Management der Wiener Berufsbörse arbeitsfähige Personen mit Suchtproblemen umfassende Unterstützung. Es wird angestrebt, dass etwa 30 Prozent der 700 TeilnehmerInnen durch intensive Beratung in einen Job vermittelt werden. (Schluss) ile/wh

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Mag. Wolfgang Hassler
Mediensprecher Vizebürgermeisterin Mag.a Renate Brauner
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E-Mail: wolfgang.hassler@wien.gv.at
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Mag.a Ilkim Erdost
Mediensprecherin Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff)
Tel.: 217 48 - 318
Handy: 0664 8476640
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