"KURIER"-Kommentar von Margaretha Kopeinig: "Versteckte Interessen"

Mit humanitärer Hilfe will sich die EU wirtschaftlich in Afrika positionieren.

Wien (OTS) - Der Truppeneinsatz der EU im Tschad, an dem Österreich mit einem starken Kontingent teilnimmt, ist auf den ersten Blick ein humanitäres, uneigennütziges Engagement. Auf den zweiten Blick ist es eine durchaus gefährliche Militäraktion zur Rettung europäischer Wirtschaftsinteressen in Afrika.
In internationalen Magazinen kann man lesen, welch "enormer Markt" sich südlich der Sahara öffnet. Viele Länder besitzen immense Rohstoffvorkommen, alle haben einen riesigen Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur und Informationstechnologie. China hat in Afrika längst den Energielieferanten und Absatzmarkt der Zukunft erkannt und betreibt regen Handel. Das Reich der Mitte bezieht mehr als ein Drittel seines Rohölbedarfs aus Afrika. Die EU gerät immer mehr ins Hintertreffen, Afrika ist Europas "verlorener Kontinent".
Das soll sich ändern: Beim EU-Afrika-Gipfel im Dezember in Lissabon wurde ein Neuanfang der Beziehungen proklamiert. In diese Strategie fügt sich die Mission im Tschad, der zum exklusiven Klub der Erdölexporteure zählt. Frankreich ist seit langem Schutzmacht des Landes und will seine militärische Präsenz nun mit einem EU-Etikett versehen.
Die Gefahr ist nicht so sehr, dass unsere Jagdpioniere von Rebellen attackiert werden, als dass die EU-Truppe insgesamt als nicht neutral und humanitär empfunden wird. Über diese Dinge sollte Verteidigungsminister Norbert Darabos auch einmal sachlich die Öffentlichkeit informieren und die Wahrheit sagen, dass es beim Einsatz auch um militärische Gewalt gehen kann. Das ist Teil dieser EU-Mission, an der Österreich freiwillig als Mitglied der Europäischen Union mitmacht.

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