Landschaft zwischen Wirtschaftsraum und identitätsstiftendem Symbol Tagung der Gesellschaft für Landschaftsplanung im Parlament

Wien (PK) - Österreich ist eines der letzten Länder Europas, die die Landschaftskonvention des Europarats noch nicht unterzeichnet haben. Für und Wider einer Ratifizierung diskutiert die Österreichische Gesellschaft für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur (ÖGLA) heute Nachmittag auf Einladung des Zweiten Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger im Parlament. Im 60. Jahr ihres Bestehens beleuchtet die ÖGLA das Thema Landschaft im Lichte der europäischen Konventionen und Richtlinien und erörtert Möglichkeiten, das rechtliche Instrumentarium zu vereinfachen, um Widersprüche zwischen den vielen Regelungen - NATURA 2000, Wasserrahmenrichtlinie, Bodenschutzrichtlinie u.a. - zu beheben.

Präsident Spindelegger würdigte in seinen Begrüßungsworten die Initiative von Bundesrat Gottfried Kneifel, der vorgeschlagen hatte, den Schutz der Vielfalt der europäischen Landschaften im Parlament mit Experten zu thematisieren. Das Spannungsfeld zwischen Pflege und Bewahrung der Landschaft und dem wachsenden Raumbedarf einer dynamischen Wirtschaft verlange ein klares europäisches Regelwerk, in dem es nach Ansicht Spindeleggers derzeit aber noch mehr Nebeneinander als Miteinander gebe. "Welche Regelungen sind sinnvoll, welche können vermieden werden, und wie stellt sich Österreich dem Zukunftsthema Landschaftsschutz", lauteten die Fragen Präsident Spindeleggers an die Experten.

Lilli Licka: Landschaft soll erkennbar bleiben

Den Reigen der Referate eröffnete ÖGLA-Präsidentin Univ.-Prof. Lilli Licka (Boku Wien) mit einem Vortrag über "Qualitätssicherung in der österreichischen Landschaft". Landschaft werde in Österreich vielfach als Idylle verstanden, als wichtige und erhaltenswerte Grundlage des Lebensstandards, zugleich werde Landschaft bewusst verwendet, um Touristen anzuziehen und Arbeitsplätze zu schaffen. Mit Bezug auf die Landschaftskonvention definierte Licka "Landschaft" als "Gebiet, das von Menschen wahrgenommen wird", sei es nun bebaut oder nicht, landwirtschaftlich genutzt oder unberührt. Landschaft sei Basis regionaler Identitäten, ein tief in das Bewusstsein der Menschen eingeschriebener Symbolkomplex, wobei in Österreich die Berge ein zentrales Symbol darstellten. Licka plädierte dafür, das Bewusstsein für Landschaftsqualität zu fördern, wobei es ihr nicht um konkrete Objekte, sondern darum ging, Landschaft in einem dynamischen Prozess erkennbar bleiben zu lassen. "Wir sind aufgefordert, Landschaft vorausschauend zu pflegen, instand zu setzen und herzustellen."

Manfried Welan: Recht der Landschaft ist Menschenrecht auf Schönheit

Univ. Prof. Manfried Welan (Boku Wien) leitete seinen Vortrag zum Thema "Landschaft und Umweltrecht" mit der Erinnerung an die jahrzehntelange Arbeit ein, die es brauchte, um die Menschenrechtskonvention durchzusetzen. Am Beginn des 21. Jahrhunderts, das schon lange als das Jahrhundert der Umwelt apostrophiert sei, gelte es laut Welan nun, der Natur, der Landschaft und damit dem Menschenrecht auf Schönheit zum Durchbruch zu verhelfen. Landschaft könne weder ein Objekt noch ein Subjekt des Rechts sein, erklärte der Jurist, wohl aber ein Rechtsgut, das in die Sphäre des Rechts einbezogen werde, ohne als Begriff allzu sehr konkretisiert zu werden. "Das Recht der Landschaft ist die Landschaft im Recht", formulierte Welan pointiert. Er sah die Herausforderung darin, den Landschaftsverbrauch einzuschränken, Verwüstungen zu vermeiden und Schönheit zu erhalten. Zeitalter haben vergehen müssen, bis der Mensch in Form der Menschenrechte Recht bekommen habe. Die Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts laute, wie lange es dauern werde, bis die Natur zu ihrem Recht komme, schloss Manfried Welan.

Im weiteren Verlauf der Tagung fragte ÖGLA-Geschäftsführer Thomas Knoll nach der Wirksamkeit der Europäischen Landschaftspolitik für die Europäische Kulturlandschaft, während die Leiterin der Abteilung Raumordnung und Regionalpolitik der Niederösterreichischen Landesregierung, Ilse Wollansky, aus der Praxis der Umsetzung von Richtlinien und Gesetzen berichtet. Unter dem pointierten Titel "Kulturlandschaft im Dschungel der Regelungen" diskutieren Experten am Runden Tisch.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung geht Univ. Prof. Richard Stiles (TU Wien) auf Beispiele der Implementierung der Europäischen Landschaftskonvention ein, Harald Kutzenberger (ÖGLA) stellt Regelungsvereinfachungen zur Diskussion. Abgeschlossen wird die Veranstaltung mit einer zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse. (Schluss)

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