Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Der Quotenwahn

Wien (OTS) - Italiens Regierung kracht; Amoklauf der
internationalen Börsekurse; wichtige Wahlen in Deutschland; Amerika spricht erstmals von Rezession; in Frankreich wird eine Bank Opfer der größten Gaunerei der Geschichte; und die EU beschließt wegen der CO2-Panik ein Strangulierungspaket, das Europas Wirtschaft ungefähr ebenso intensiv schaden dürfte, wie die dort im Blitztempo beschlossene Konjunkturspritze Amerika nützen soll. Das sind Wochen, in denen man den Umfang der Zeitung gern verdoppeln möchte.

Wer aber die Donnerstag-ZiB sah oder am Freitag diverse Zeitungen zur Hand nahm, der war primär mit einer anderen Katastrophe konfrontiert: dem ungefähr zwanzigsten "Gender"-Bericht der letzten Zeit, der (wie immer) eine Verschlechterung der Lage der Frauen entdeckte, vor allem jener in Spitzenpositionen. Was sich im ORF besonders heiter anhörte: weil er uns Malta(!) als Vorbild empfahl, und weil die ORF-Redaktion vor kurzem eine Frau an der Firmenspitze brutal wegintrigiert hat (damit die Linke in allen relevanten Positionen wieder so unter sich ist wie im Fernsehen vor 1966).

Auch sonst erinnert das feministische Trommelfeuer an jene Epoche:
Nach 1968 versuchten die neomarxistischen Studenten als selbsternannte Elite den Arbeitern ununterbrochen einzureden, wie ausgebeutet und entfremdet diese doch wären. Mit sehr schwachem Echo. Heute versucht eine ähnlich programmierte Personengruppe den Frauen Ähnliches einzureden. Aber auch jetzt ist der Zuspruch zu den weltfremden Agitatoren aus Medien, Politik und Unis gering. Und zwar aus vielerlei Gründen (einer ist etwa die Klugheit der Frauen, welche die Arbeitsplatz-Zufriedenheit höher schätzen, als es viele Karriere-Männer tun, die sich oft mit verbissenem Ehrgeiz selbst krank machen).

Sehr lehrreich waren da die Grazer Wahlen: Weniger wegen des mäßigen Erfolges von Frau Winter, sondern wegen des großen der ÖVP. Sie ließ nämlich über Vorzugsstimmen die Wähler selbst entscheiden, wer in den Gemeinderat kommt - worauf gleich vier Männer besser gereihte Frauen verdrängten. Die ÖVP mag hoffen, dass die Wähler wussten, was sie taten. Allen aber wurde bestätigt, dass die Feministinnen in ihrem simplen Quotenwahn weit weg vom Denken der meisten Frauen stehen.

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