Start des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums SEPA am 28. Jänner 2008

Österreichische Banken sind "SEPA-fit" - Erfolgreiche Koordination durch Austrian Payments Council - Chance zur Reduktion beleghafter Zahlungen

Wien (PWK061) - Nach intensiven mehrjährigen Vorarbeiten beginnt mit Montag, 28. Jänner 2008 eine neue Ära für den Zahlungsverkehr in Europa: An diesem Tag startet die schrittweise Umstellung auf eine einheitliche elektronische Zahlungsverkehrsinfrastruktur für Euro-Zahlungen und damit auf einen einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum ("Single Euro Payments Area" - SEPA).
SEPA umfasst 31 Länder in Europa (alle EU-Mitgliedstaaten sowie Liechtenstein, Norwegen, Island und die Schweiz) und beinhaltet gemeinsame Standards sowie gesetzliche und
organisatorische Regelungen im Zahlungsverkehr.

Dr. Herbert Pichler, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich, erklärte die strategische Zielsetzung: "Ziel von SEPA ist es, eine Infrastruktur für den Massenzahlungsverkehr für alle Euro-Zahlungen zu schaffen, die in immer stärkerem Ausmaß elektronisch abgewickelt werden sollen. In Zukunft sollen Transaktionen nicht nur in einer gemeinsamen Währung, sondern auch nach einheitlichen Regeln abgewickelt werden."

Nach der EU-Verordnung, die eine Entgeltgleichstellung zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen gebracht hat, hatte sich die europäische Kreditwirtschaft verpflichtet, den nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in eine einheitliche technische Struktur zu bringen. Pichler betonte dazu: "Die Dimension dieses Projektes wird deutlich, wenn man in Betracht zieht, dass ca. 73 Mrd. elektronische Überweisungen jährlich im SEPA-Raum getätigt werden, davon mehr als 700 Mio. in Österreich. SEPA soll einen Motor für eine umfassendere wirtschaftliche Harmonisierung in der Euro-Zone darstellen, die vor allem den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr unterstützt."

Nach jahrelangen intensiven Vorbereitungen hat der Großteil der österreichischen Kreditinstitute die Teilnahme am Credit-Transfer-Abkommen gemeldet. "Die österreichischen Banken sind für die Umstellung gerüstet", erklärte Pichler, der auch auf die hohen Investitionskosten für die Kreditwirtschaft hinwies: "Diese betragen einmalig zwischen 100 und 200 Mio. Euro, weiters wird die Übernahme der EU-Zahlungsdiensterichtlinie nach einer McKinsey-Studie aus dem Vorjahr jährliche Kosten von ca. 136 Mio. Euro für die österreichische Kreditwirtschaft mit sich bringen." SEPA werde auch zu einem intensivierten Wettbewerb zwischen den Zahlungsdiensteanbietern führen, wobei das Preis/Leistungsverhältnis für Kunden in Österreich im europäischen Vergleich sehr günstig ist.

Pichler wies weiters darauf hin, dass SEPA als politisches Projekt auch Unterstützung durch die öffentlichen Stellen braucht: "Für den Erfolg des Projektes wird es daher notwendig sein, dass die Politik nicht nur die Einführung von SEPA und die Integration des europäischen Zahlungsverkehrs fordert, sondern auch die frühzeitige Nutzung in ihrem Bereich fördert. Die öffentlichen Stellen sollten daher möglichst rasch auf die neuen SEPA-Verfahren umstellen, um die notwendigen Umstellungsvolumina sicherzustellen."

Pichler erklärte auch die Vorteile, die aus dem europaweiten Harmonisierungsprozess entstehen: "Künftig werden Zahlungen einfacher und mit einer maximalen Überweisungsdauer von drei, später von einem Tag erfolgen. Kunden, die in mehreren Ländern Zahlungsverkehrsdienste nutzen - etwa bei Berufstätigkeit, Einkäufen, Studium, mehrere Wohnsitze -, haben nicht mehr die Notwendigkeit, mehrere Konten zu führen."

Das SEPA-Lastschriftverfahren als erstes Einzugsverfahren, das in der gesamten Euro-Zone genutzt werden kann, bringt eine wesentliche Erleichterung für Unternehmen, die außerhalb ihres inländischen Marktes tätig sind. Gleichzeitig erfordert die SEPA-Umsetzung aber bestimmte Anpassungen bei den Prozessen und der Infrastruktur. Die österreichischen Banken werden ihre Kunden bei diesem Prozess unterstützen, damit die Migration möglichst einfach erfolgt.

Bis Ende 2010 sollen alle Kartenzahlungen an allen Terminals funktionieren. "Das wird insbesondere Gästen, die aus dem Euro-Raum nach Österreich kommen, Erleichterungen bringen und somit die Tourismuswirtschaft unterstützen. Für die österreichischen Kunden werden die Änderungen marginal sein, da diese ihre Bankkarte mit Zahlungsfunktion außerhalb Österreichs in den SEPA-Teilnehmerländern oft schon heute wie zu Hause nutzen können. Ein Umtausch österreichischer Bankkarten ist dafür nicht erforderlich."

Um den Zahlungsempfänger eindeutig zu identifizieren, werden bei SEPA-Zahlungsanweisungen (ab Mitte 2008) statt "Kontonummer und Bankleitzahl" die international gültige Kontonummer IBAN und die internationale Bankleitzahl BIC verwendet. IBAN und BIC finden Kunden bereits jetzt auf ihren Kontoauszügen.

Verantwortlich für die Einführung von SEPA ist das European Payments Council (EPC) in Brüssel, bestehend aus Banken und Bankenverbänden der 31 Länder, in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB).
Im EPC sind 64 Mitglieder vertreten, die Anzahl der Sitze der einzelnen Länder ist abhängig von der Anzahl der Zahlungsverkehrstransaktionen des jeweiligen Landes. Maximal sind pro Land sieben Sitze vorgesehen, Österreich ist mit zwei Sitzen vertreten.
Die EZB hat die Anforderungen für "SEPA for citizens", "SEPA for infrastructures" und "SEPA for corporates" eingebracht und in Abstimmung mit dem EPC die Meilensteine für die Umsetzung Jänner 2008 ("SEPA for citizens") und 2010 (kritische Masse der Transaktionen über SEPA-Verfahren) fixiert.

Der Direktor der Hauptabteilung Informationsverarbeitung und Zahlungsverkehr der Oesterreichischen Nationalbank, Wolfgang Pernkopf, erklärte die Aufgabe des Austrian Payments Council (APC), dessen Vorsitzender er ist: "Im APC koordinieren die österreichischen Kreditinstitute, die OeNB, die Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich und der Verband der österreichischen Banken und Bankiers gemeinsam die Umsetzung von SEPA in Österreich. Unsere Hauptaufgabe ist es, die SEPA-Schemes optimal in die österreichische Zahlungsverkehrslandschaft einzubetten. Darüber hinaus findet ein reger Informationsaustausch mit dem Bundesministerium für Finanzen statt, da die Bundzahlungen einen erheblichen Anteil am Zahlungsverkehr ausmachen."

Nahezu alle heimischen Banken sind entweder direkte oder indirekte Teilnehmer am ersten europaweit tätigen Clearing House STEP2, welches von EBAClearing betrieben wird. "Weit über 10 % aller gesamteuropäischen Transaktionen werden über die heimischen Banken eingeliefert, für SEPA Credit Transfer über STEP2 haben sich 127 indirekte Teilnehmer über die OeNB angemeldet, was rund 250 in- wie ausländischen Banken entspricht", so Pernkopf. Als Ergänzung bietet die OeNB seit Mitte 2007 die Clearingfunktionalität STEP.AT für nationale Interbankzahlungen an.

Am 19. November 2007 startete das neue Euro-Zahlungsverkehrssystem TARGET2 mit einer gemeinsamen europäischen Plattform (Single Shared Platform - SSP). Pernkopf betonte dazu: "Durch TARGET2 wurde der Standard im Bereich Großbetragszahlungen neu definiert. Die wichtigsten Ziele dabei sind die Unterstützung eines international wettbewerbsfähigen und stabilen Euro-Zahlungsverkehrs, und die von der Kreditwirtschaft gestellten Anforderungen nach größtmöglicher Standardisierung sowie effizienter Notfallsvorsorge zu erfüllen." Nach Anschluss aller Teilnahmeländer wird mit einem Transaktionsvolumen von über 80 Mio. Stück pro Jahr gerechnet.

In Österreich fallen jährlich mehr als 700 Mio. Zahlungsverkehrstransaktionen an, dazu kommen noch ca. 160 Mio. beleghafte Zahlungen, insgesamt ist die Anzahl der Transaktionen weiter leicht steigend. Mag. Robert Reiger, Generalsekretär des Austrian Payments Council, strich das Ziel der Banken, den für alle Beteiligten teureren und langsameren beleghaften Zahlungsverkehr in den nächsten Jahren weiter zu reduzieren, hervor: "Die SEPA-Einführung bietet für die Wirtschaft die Möglichkeit zur verstärkten bargeldlosen Abwicklung von Kundenzahlungen, wodurch der Zahlungsverkehr für alle Beteiligten schneller, billiger und einfacher wird."

Reiger appellierte in diesem Zusammenhang an die Unternehmen, die Umstellung zur Überprüfung ihrer eigenen Prozesse zu nutzen und auch in der Kommunikation zu ihren Kunden auf die Möglichkeiten der elektronischen Zahlung verstärkt hinzuweisen. Kunden wiederum empfahl Reiger, nach der Einführung verstärkt das neue Einzugsverfahren und Daueraufträge zu nutzen und auf Electronic Banking zurückzugreifen.

Reiger wies auf weitere Vorteile der SEPA-Einführung hin:
"Unternehmen können durch die Standardisierung und einheitliche Formate Kosten sparen und ihre Zahlungsabläufe sowie ihre Liquidität besser steuern. Mittelständische Unternehmen können durch das europaweit einheitliche und sichere Einzugsverfahren ihr Geschäftsfeld einfacher erweitern. Gleichzeitig macht die Einführung von SEPA eine Adaption hausinterner Systeme und Applikationen erforderlich. In manchen Fällen wird es nötig sein, im Rahmen der Umstellung von den eigenen Kunden IBAN und BIC zu erfahren, was auch kostengünstig und zeitsparend bei den österreichischen Banken über eine zentrale Konvertierungshilfe möglich sein wird." (Ne)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Bundessparte Bank und Versicherung
Dr. Herbert Pichler
Tel.: (++43) 0590 900-3131
Fax: (++43) 0590 900-272
bsbv@wko.at
http://wko.at/bsbv

Austrian Payments Council
Mag. Robert Reiger
Tel: 01-/505 32 80-0
E-Mail: reiger@stuzza.at

Oesterreichische Nationalbank
DHA Wolfgang Pernkopf
Tel: 01-40420-1007
E-Mail: wolfgang.pernkopf@oenb.at

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