Prammer/Kadenbach: Vielfachbelastung der Frauen hat gesundheitliche Auswirkungen

Wien (SK) - "Es ist eine Tatsache, dass die unmittelbare ökonomische Situation der Frauen gesundheitliche Auswirkungen hat", erklärte SPÖ-Frauenvorsitzende, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der NÖ-Gesundheitslandesrätin Karin Kadenbach zum Thema "Frauen im Beruf - Benachteiligung und gesundheitliche Belastung". "Ein großer Teil der berufstätigen Frauen leistet neben der Erwerbsarbeit auch den überwiegenden Teil der Haus- und Erziehungsarbeit, diese Vielfach-Belastung liegt den Frauen im wahrsten Sinne des Wortes schwer auf dem Rücken", stellte Kadenbach dar, dass Wirbelsäulenbeschwerden neben Allergien, Bluthochdruck und Krebs zu den häufigsten Erkrankungen von Frauen zählen. ****

SPÖ-Frauenvorsitzende Prammer wies auf die allgemein schwierige Situation von Frauen im Beruf hin: "Besonders brisant ist der gestern bekannt gewordene EU-Gender-Bericht und bestätigt, was die SPÖ-Frauen immer gesagt haben, dass zwischen 2001-2006 wenig oder falsche Frauenpolitik gemacht wurde. Die Auswirkungen haben wir jetzt am Tisch." Die gläserne Decke zu durchbrechen sei noch schwieriger geworden, Österreich sei bei den Karrieremöglichkeiten für Frauen zum Schlusslicht in Europa geworden. Auch im Nationalrat sei die Frauenquote niedriger als in der Vergangenheit: "Von den fünf Fraktionen widmen drei diesem Thema keine gesteigerte Aufmerksamkeit und zwei bemühen sich. Die SPÖ hat endlich die 40 Prozent-Quote erreicht. Würden alle Parteien so agieren, hätten wir mehr als 32 Prozent Frauen im Parlament", so Prammer.

Die Ursachen für die schlechteren Karrieremöglichkeiten seien eindeutig. Die schwierige Vereinbarkeit, Frauen würden oft schon prophylaktisch benachteiligt, weil sie Kinder bekommen könnten. "Wenn eine konkrete Arbeitsstunde von Frauen um 20 Prozent schlechter bezahlt ist, dann hat das nichts mit Teilzeit zu tun." Es gehe nicht nur darum, den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze zu forcieren, auch sollte es in börsenotierten Unternehmen nach norwegischem Vorbild gesetzliche Quoten geben, erneuerte Prammer ihre Forderung.

Die SPÖ-Frauenvorsitzende fordert auch mehr Arbeitszeitautonomie für Mütter und Väter. In Österreich heiße Teilzeit eine Arbeitszeit von 10, 15 oder 20 Stunden, was enorme Einkommenseinbußen bedeute. In den skandinavischen Ländern können sich Eltern die Teilzeit zurechtlegen auf Arbeitsstunden von 25, 30 oder 32 Stunden, je nach Bedarf. Dadurch bekämen sie vielmehr Autonomie in der Handhabe, dies habe enorme Vorteile für junge Eltern.

Sozialdemokraten in NÖ setzen sich mit Herz und Energie für Frauenanliegen ein

NÖ-Landesrätin Kadenbach wies darauf hin, dass der Arbeitsklimaindex 2007 eine hohe Zufriedenheit der ÖsterreicherInnen mit ihrem Arbeitsumfeld aufweise, aber gerade Frauen viele Nachteile in Kauf nehmen müssen. So sei die Zahl der Teilzeit-Jobs in den letzten Jahren stark gestiegen. 2006 waren 40,2 Prozent der Frauen teilzeitbeschäftigt, aber nur 6,5 Prozent der Männer. 56 Prozent der Frauen sehen die Teilzeit aber nur als Not- oder Übergangslösung an, so Kadenbach, 155.000 Frauen würden gerne länger arbeiten, wenn sie die entsprechenden Betreuungsplätze für ihre Kinder zur Verfügung hätten.

"Nach Zahlen der Niederösterreichischen Frauenstudie leisten Frauen 80 Prozent der Hausarbeit, das sind 21 Stunden pro Woche plus 75 Prozent der Kinderbetreuungsarbeit, ergeben 31 Stunden pro Woche zusätzliche Belastung. Viele Frauen arbeiten außerdem in besonders belastenden Berufen, wie Alten- und Krankenpflege, so Kadenbach. 39,8 Prozent der Frauen geben an, unter chronischen Krankheiten zu leiden, bei Männern sind dies 34,2 Prozent. Frauen leiden außerdem häufiger unter erheblichen Schmerzen. 41,5 Prozent der Österreicherinnen litten demnach in den letzten zwölf Monaten unter Schmerzen, besonders in den Bereichen Kopf sowie Nacken- und Halswirbelsäule."

Auch das "Burn-out-Syndrom" sei, so Kadenbach, längst keine Managerkrankheit mehr, sondern immer mehr Frauen sind durch die Mehrfachbelastung betroffen. Auch Angstzustände und Depressionen betreffen Frauen öfter als Männer. 10,9 Prozent der Befragten gaben an, bereits darunter gelitten zu haben, bei den männlichen Teilnehmern waren es nur 6,7 Prozent.

"Auch Armut ist ein Gesundheitsrisiko", wies Kadenbach darauf hin, dass in Niederösterreich immerhin 12,9 Prozent der Bevölkerung von Armut gefährdet sind. Gerade Alleinerzieherinnen sind hier besonders betroffen, Menschen in Armut seien durch schlechtere Wohn- und Ernährungssituation deutlich häufiger krank als Nicht-Arme.

Frauen leiden unter schlechteren Arbeitsbedingungen, Mehrfachbelastung und geringerem Verdienst. Deshalb sind hochqualifizierte, flächendeckende und vom Zeitangebot ausreichende Kinderbetreuungsplätze in Niederösterreich von 1 bis 12 Jahre notwendig. Weiters der Ausbau von öffentlichen preisgünstigen Verkehrsmitteln. "Hier ist noch einiges zu tun in Niederösterreich. Die Sozialdemokraten werden sich mit Herz und Energie dafür einsetzen", so Kadenbach abschließend. (Schluss) sl

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