Ausstellung "Die Eleganz des runden Leders" zur EM

Wiener Stadt- und Landesarchiv und Wienbibliothek zeigen gemeinsame Ausstellung über den Wiener Fußball 1920 -1965

Wien (OTS) - Das Wiener Stadt- und Landesarchiv und die Wienbibliothek erinnern zur Europameisterschaft an große Zeiten des Wiener Fußballs. Gemeinsam zeigen sie die Ausstellung "Die Eleganz des runden Leders - Wiener Fußball 1920 - 1965", die vom 5. bzw. 6. Juni bis 26. September in der Rathausinformation, im Ausstellungsraum des Wiener Stadt- und Landesarchivs und im Ausstellungskabinett der Wienbibliothek zu sehen sein wird.

Die von Wolfgang Maderthaner und Alfred Pfoser kuratierte Ausstellung folgt einem gemeinsam von Archiv und Bibliothek entwickelten Konzept und findet zeitgleich an drei unterschiedlichen Orten statt. Der zentral gelegene Raum der jetzigen Rathaus-Info wird den Hauptteil beherbergen, von dem aus auf die Spezialausstellungen im Stadt- und Landesarchiv (Biographien) und in der Wienbibliothek (Fußball als Kultur- und Medienphänomen) verwiesen wird. Begleitend zur Ausstellung wird eine Publikation, herausgegeben von Roman Horak und Wolfgang Maderthaner, im Werkstatt-Verlag erscheinen.****

Besonderheiten des Fußballs in Wien

Wien war anders. Hier wies das moderne Spektakel Fußball über die im Regelfall getroffene Gleichsetzung mit dem Freizeitverhalten der Arbeiterschaft weit hinaus. Fußball in Österreich war ein ausschließlich urbanes Phänomen, Ausdruck einer zutiefst städtischen Kultur, einzigartig auch in der selbstverständlichen Integration der jüdischen Sportvereine oder jüdischer Sportler, auch in der Verbindung von Gesellschaftsleben, Sportcafès, Kulturbetrieb und Fußball. Zehntausende Wiener zogen an den Wochenenden zu den neu errichteten Plätzen und Stadien, wenn die Wiener Clubs ihre Gegner nicht nur in anderen Wiener Stadtbezirken, sondern auch in den großen Städten des benachbarten Auslandes, vornehmlich in Prag, Budapest, Bologna oder Mailand, fanden. Die großen Städte der alten Habsburgermonarchie bildeten die Hochburg des kontinentaleuropäischen Fußballs. Fußball wurde von Hugo Meisl, dem Trainer des Wunderteams, transnational in einer europäischen Dimension gedacht. Der Mitropacup war eine Vorform der heutigen Championsleague.

Ziel der geplanten Ausstellung ist es, die konstitutiven Merkmale und Qualitäten des Wiener Fußballs nachzuzeichnen und verständlich zu machen, und zwar in der Periode seiner absoluten Weltklasse. Diese Ära setzt ein nach Ende des Ersten Weltkriegs, als der Fußball zum Massensport wurde. Fußballer wurden als Stars gehandelt, die Clubs bekamen Fangemeinden. Rund um den Fußball entwickelte sich ein geschäftiger Betrieb. Im Wien der 20er Jahre etablierte sich der Profifußball. Akteure wie Matthias Sindelar, Josef Uridil, Karl Sesta, Willi Hahnemann (Bild), Bimbo Binder gehörten wie später Ernst Happel, Gerhard Hanappi oder Ernst Ocwirk zu den weltbesten ihres Faches.

Der Einmarsch Hitlers brachte die Liquidierung der "Hakoah" und eine totale Umkrempelung des Organisationsgefüges, an der Oberfläche wurde aber anfangs weiter Kontinuität gezeigt. Die "Ostmark"-Vereine feierten große Erfolge, was tiefe Irritation seitens der NS-Instanzen zur Folge hatte. Die einzige antifaschistische Massendemonstration im Wien zur Zeit der NS-Herrschaft (der gleichwohl überwiegend antipreußische Motive unterlegt waren), entzündete sich am Fußball. Die große Zeit des Wiener Fußballs findet ihr Ende mit Abschluss des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Sieg im Spiel gegen Deutschland in Cordoba ist ein später Nachhall der großen Zeit des österreichischen Fußballs. (Schluss) red

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