"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Israels völlig verfehlte Politik" (Von Florian Weissmann)

Ausgabe vom 24. Jänner 2008

Innsbruck (OTS) - Israel hat im nahöstlichen Propagandakrieg eine weitere Runde verloren. Palästinenser bezeichnen den Gazastreifen seit Jahren als größtes Gefängnis der Welt und stellen damit die isralische Politik an den Pranger. Gestern durfte die Welt am Fernseh-Schirm verfolgen, wie Abertausende ver-
armte Menschen aus diesem Gefängnis ausbrachen, um in Ägypten Lebensmittel zu kaufen. Das humanitäre Drama überschattet Israels berechtigtes Anliegen, dass der tägliche Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen aufhören muss.

Der Eklat ist das Ergebnis einer verfehlten Politik. Seit Langem kritisieren EU, UNO und andere, dass es sich beim Boykott des Gazastreifens durch Israel um eine Kollektivstrafe handelt, unter der vor allem die Zivilbevölkerung leidet. Israelische Kommentatoren wiesen darauf hin, dass der Boykott nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Die israelische Führung wollte angeblich erreichen, dass die Palästinenser die radikal-islamische Hamas für ihre Isolation verantwortlich machen und sich gegen die Extremisten auflehnen. Doch stattdessen dürfte Israel erneut die radikalen Kräfte gestärkt und die moderaten geschwächt haben.

Allen Warnungen zum Trotz hat die israelische Führung in den vergangenen Tagen den Druck noch erhöht und damit den Massenausbruch provoziert. Alles, was die Hamas tun musste, war, den Grenzzaun zu sprengen. Wieder einmal haben die Hardliner beider Seiten einander ergänzt, um zarte Hoffnung in neue Eskalation zu verwandeln. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass am Montag vor einer Woche neue Friedensgespräche begonnen haben? Die derzeitigen Akteure in Nahost zeigen kein großes Interesse daran.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001