"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schöne Worte schaffen keine bessere Umwelt" (Von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 24.01.2008

Graz (OTS) - Für Agrarier ist es eine ausgemachte Sache. Wenn
einer das Klima retten kann, dann wir. Gemeint sind natürlich nicht die Bauern, sondern die Biomasse. Alles, was auf dem Acker und im Wald wächst, erzeugt nicht nur Sauerstoff, sondern letztlich auch Energie, die man weitgehend CO2-neutral nutzen kann.

Das hat was für sich, das treibt aber auch - Stichwort Bioethanol -die Preise für Lebensmittel gewaltig in die Höhe.

Weil also Biomasse allein das Klima nicht retten kann, müsste eigentlich die Industrie herhalten, könnte man den Faden weiterspinnen. Solange man nicht bei der Voestalpine arbeitet. Oder bei Wienerberger, oder in einer Papierfabrik. Würde man energieintensive Branchen wirklich so belasten, wie sie es eigentlich verdienen, wären sie bald weg vom Fenster, mitsamt den Arbeitsplätzen.

Also wieder nichts? Nicht ganz, es gibt ja noch die Haushalte und den Verkehr. Die letztlich zusammen gehören. Sprich bei einem Zahler landen, dem Konsumenten. Ihm wird, und das ist der Kern des Klimapaketes, das uns die EU vier Wochen nach Weihnachten geschickt hat, die wahre Belastung aufgebrummt.

Strom, Gas, Kohle, Benzin, Diesel werden, und da kann man jetzt schon Gift darauf nehmen, empfindlich teurer werden, was uns alle ebenso trifft wie Sanierungsmaßnahmen für veraltete Heizungsanlagen oder die thermische Sanierung von Gebäuden, durch die vielleicht ohnehin schon der Wind pfeift.

Und eigentlich, muss man gestehen, ist es auch nur recht und billig, wenn die Konsumenten die Zeche fürs Klimapaket zahlen. Schlussendlich profitieren wir alle davon, wenn wir von der drohenden Öko-Katastrophe nicht ganz so massiv wie vielfach prophezeit getroffen werden.

Ganz so leicht sollte es man den Unternehmen aber auch nicht machen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Wirtschaft nicht freiwillig auf absehbare Änderungen einstellt. Erst nach den entsprechenden Abgasgesetzen kam es zur Einführung des Katalysators bei den Autos, und wie die Feinstaubdebatte zeigt, haben sich die Konzerne auch beim Diesel lang Zeit gelassen.

Schöne Worte, kann man die Vergangenheit resümieren, erzeugen keine saubere Umwelt und keine Energieeinsparung, wirklich neue Wege werden nur durch rigide Vorschriften und Belastungen erreicht. Wobei die Leitschnur sein muss: Die beste Energie kommt nicht vom Öko-Hof, sondern resultiert aus der Einsparung.****

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