WKÖ-Hochhauser zu EU-Genderbericht: Mit Hirn statt Quote gegen die gläserne Decke

Erfolgrezept für Gleichstellung von Männern und Frauen besteht vor allem aus Qualifizierung und Ausbau der Kinderbetreuung

Wien (PWK050) - "2007 wurde einiges zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern erreicht, gerade auch in Österreich", sagt Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), zum heute vorgelegten Gleichstellungsbericht der EU-Kommission. So sei die Flexibilisierung des Kindergeldes, die in weiten Teilen auf WKÖ-Vorschlägen basiert, eine wichtige Maßnahme, um Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. "Frauen, ob unselbständig tätig oder als Unternehmerinnen, können schneller in den Beruf zurück. Davon profitieren die Frauen ebenso wie die Betriebe und die gesamte Wirtschaft." Jedoch bleibe noch einiges zu tun.

Hochhauser betonte, dass die WKÖ "voll und ganz" hinter dem EU-Ziel stehe, Familie und Beruf besser vereinbar zu machen. Anders sei der demografische Wandel nicht zu bewältigen. "Bereits ab 2010 werden neben älteren Arbeitskräften vor allem Frauen die Schlüsselarbeitskräfte sein. Unternehmen, die morgen für weibliche Arbeitskräfte attraktiv sein wollen, müssen deshalb schon heute die Weichen dafür stellen."

Um mehr Chancengleichheit zu erzielen, müssten die Aus- und Weiterbildung von Frauen forciert und Kinderbetreuungsmöglichkeiten ausgebaut werden. "100 Prozent einverstanden" sei sie daher mit der von Brüssel monierten Ausweitung der Betreuungsinfrastruktur. Hochhauser: "Da legt die EU den Finger in eine aus österreichischer Sicht offene Wunde." Mehr und besser zugängliche Kinderbetreuung sei ein unbedingtes Muss, und zwar in ganz Österreich.

"Gerade für Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen geht es dabei besonders um die Kinderbetreuung in Randzeiten." Zudem sei die steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten nötig. "Da besteht Handlungsbedarf bei der nächsten Steuerreform", sagt die WKÖ-Generalsekretärin.

Hinsichtlich der Kluft zwischen Männer- und Fraueneinkommen - hier schneidet Österreich schlechter ab als der EU-Schnitt - gibt Hochhauser zu bedenken, dass die Differenz auch daran liegt, dass mehr Frauen Teilzeit arbeiten und in Branchen tätig sind, in denen das Lohnniveau niedriger ist. "Auch hier muss die Antwort lauten:
Mehr Investitionen in die Qualifizierung und Beratung von Frauen. Wo steht geschrieben, dass alle Mädchen in 3 Lehrberufe gehen und alle Buben technische Berufe ergreifen?"

Nichts halte sie indes vom "Schlechtreden der Teilzeit", sie nütze nämlich Betrieben UND Beschäftigten. "Von einem Zwang in die Teilzeit kann keine Rede sein, im Gegenteil: Im November 2007 haben die Betriebe dem AMS 4.092 offene Teilzeitstellen gemeldet. Denen standen 30.709 Personen mit dem Wunsch nach einem Teilzeitjob gegenüber."

Auch einer Quotenregelung für Aufsichtsräte wie es sie in Norwegen gibt kann Hochhauser nichts abgewinnen: "Ich wünsche mir - natürlich - mehr Frauen in den Chefetagen." Mit Zwangsmaßnahmen sei aber niemandem gedient. "Hirn statt Quote muss das Motto lauten. Es geht nicht um Mann oder Frau sondern darum, den Bestqualifizierten zu finden. Und wenn Ausbildung und Kinderbetreuungsangebot stimmen, werden sehr oft Frauen die Besseren sein." Allenfalls könnte bei Corporate Governance-Empfehlungen eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen aufgenommen werden, wonach der Frauenanteil (auch) in Aufsichtsräten erhöht werden solle, so Hochhauser abschließend. (SR)

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