Abschied vom "Durchschnittsstudierenden" Bericht zur sozialen Lage der Studierenden 2007

Wien (PK) - Die Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebung 2006 nach Implementierung des Universitätsgesetzes 2002 und Konsolidierung des Fachhochschulsektors können als Beweis dafür herangezogen werden, dass die Reformen auf dem Gebiet der Hochschulpolitik in die richtige Richtung weisen, so Bundesminister Johannes Hahn im Vorwort des Berichts zur sozialen Lage der Studierenden 2007, der nun dem Parlament vorliegt (III-110 d.B.). Als wesentlichen Befund dieser Befragung von fast 9.000 Betroffenen identifiziert er hierbei die Heterogenisierung der Studentenschaft u.a. hinsichtlich Studienwahlmotiven und Leistungserfordernissen, was nicht zuletzt auf die Bandbreite des Angebots und die Differenzierung nach Abschlüssen im Sinne des Bologna-Prozesses zurückgeführt werden könne. Zentrale Anliegen staatlicher Maßnahmen seien in diesem Bereich vor allem die Förderung des notwendigen sozialen Austauschs, die Honorierung hervorragender Leistungen und die Milderung studienerschwerender Begleitumstände, so Hahn.

Maßnahmen der direkten und indirekten Studienförderung

Das erste Kapitel des vorliegenden Berichts beschäftigt sich daher eingehend mit Formen der direkten und indirekten staatlichen Studienförderung sowie deren Entwicklung im Berichtszeitraum. Für Maßnahmen laut Studienförderungsgesetz 1992 - das Studienbeihilfe, Studien-, Fahrtkosten- und Reisekostenzuschuss, Versicherungskostenbeitrag, , Beihilfen zur Finanzierung von Auslandsstudien, Sprach-, Leistungs-, Förder- und Studienabschlussstipendien, Studienunterstützung und geförderte Darlehen zur Finanzierung der Studienbeiträge umfasst - wurden hierbei laut Rechnungsabschluss 2006 181,6 Mio. Euro. aufgewendet. Eine Novelle des Studienförderungsgesetzes 2006 brachte neben Erleichterungen für den Umstieg von Diplomstudien auf das dreistufige System auch eine Verbesserung der Situation von UnionsbürgerInnen und deren Familienangehörigen sowie Drittstaatsangehörigen mit österreichischer Staatsbürgerschaft durch Herstellung eines europarechtskonformen Zustandes im Sinne der Vorgabe der hierzu vorliegenden EU-Richtlinie.

In Bezug auf die Studienbeihilfe verzeichnete man im Studienjahr 2001/02 eine drastische Steigerung der Anträge. Die Zahl der Bewilligungen in diesem Bereich ist - nicht zuletzt aufgrund der Expansion des Fachhochschulsektors und einer verbesserten Ausschöpfungsquote durch gezielte Informationspolitik - seither kontinuierlich gestiegen, sodass die Zuwachsrate bis zum Studienjahr 2005/06 22,6 % beträgt. Eine beträchtliche Steigerung ist in diesem Zusammenhang auch bei den Studierenden mit Kind feststellbar, was auf Implementierung einer erhöhten Studienbeihilfe für diese Zielgruppe im Studienjahr 2004/05 zurückgeführt wird. Der Bericht hält zudem fest, dass ein positiver Zusammenhang zwischen der Auszahlung von Studienbeihilfe und studentischer Leistung unterstellt werden kann. BezieherInnen absolvierten mehr Prüfungen, schlossen ihr Studium eher unter der durchschnittlich vorgesehenen Zeit ab und neigten in geringerem Maße zum Abbruch desselben.

Zur indirekten Studienförderung werden jene Mittel zur sozialen Absicherung gezählt, die von den Eltern (bzw. über die Eltern) der Studierenden in Anspruch genommen werden können. Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag, Kranken- und Unfallversicherung für Studierende, Förderungen von Studentenheimen und Mensen entfallen ebenso auf diese Kategorie wie Subventionen für die Österreichische HochschülerInnenschaft. Anspruch auf Familienbeihilfe, die in diesem Zusammenhang die quantitativ bedeutendste Förderung darstellt, hatten im Sommersemester 2006 104.111 Personen.

Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebung 2006

Den zweiten Teil des Berichts bildet die Zusammenfassung zentraler Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebung 2006, einer repräsentativen Umfrage unter ca. 9.000 StudentInnen an öffentlichen Universitäten und Fachhochschulen in Österreich mit der primären Zielsetzung fundierte Daten für hochschulpolitische Akteure zur Verfügung zu stellen. Die Auswertung stellt vorwiegend auf die Situation inländischer Studierender in Bachelor-, Magister- und Diplomstudien ab, enthält jedoch auch Kapitel zur Situation spezifischer Gruppen.

Seit rund 20 Jahren beginnen jährlich etwa 20.000 ÖsterreicherInnen ein Studium an einer Universität. Dem gegenüber standen im Wintersemester 2005/06 8.000 StudienanfängerInnen an den Fachhochschulgängen. Insgesamt betrachtet nehmen so bereits 32 % eines Altersjahrgangs ein Studium auf, wobei der Frauenanteil inzwischen deutlich höher liegt als jener der Männer. Während der Anteil der AnfängerInnen mit AHS-Matura leicht rückläufig ist, nahm die Zahl von BHS-AbsolventInnen und Personen mit anderen Formen der Studienberechtigung zu. Die Zusammensetzung der StudienbeginnerInnen nach sozialer Herkunft zeige jedoch ein weitgehend stabiles Bild, da der Anteil von Personen aus bildungsfernen Schichten bereits seit 10 Jahren unverändert bei 55 % Prozent liege. Insgesamt könne von einer Überrepräsentation bildungsnaher Schichten um den Faktor 2,7 gesprochen werden, so der Bericht. Hinsichtlich des Ost-West-Gefälles sei anzumerken, dass Vorarlberg und Tirol die geringsten Zuwächse bei den StudienanfängerInnen aufwiesen.

Zwei Drittel der Befragten bezogen zum Erhebungszeitpunkt Förderungen durch Staat, öffentlich-rechtliche Körperschaften oder Unternehmen, wobei die durchschnittliche Höhe dieser Unterstützungen 345 Euro betrug. Die Ergebnisse der Untersuchung wiesen zudem darauf hin, dass rund 40 % der Studierenden im Laufe ihres Studiums zumindest für eine gewisse Zeit Studienbeihilfe bezogen.

Rund 80 % der Studierenden weisen eine "Patchwork-Finanzierung" ihres Lebensunterhalts auf, worin eine deutliche Unterscheidung zur österreichischen Gesamtgesellschaft zu sehen ist. Das durchschnittlich zur Verfügung stehende monatliche Budget von StudentInnen beträgt derzeit 1.040 Euro, obgleich die Einkommenssituation stark von Alter, Wohnform, Erwerbssituation, sozialer Herkunft, Studienrichtung und Geschlecht abhängig sei. Die wichtigste Einnahmequelle für Studierende stellen weiterhin Unterstützungen seitens der Familie dar, die fast die Hälfte des Gesamtbudgets ausmachten. Eigenen Einschätzungen zufolge kommen mehr als 50 % der Befragten gut oder sehr gut, 30 % gerade noch, 10 % schlecht und 5 % sehr schlecht mit den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln aus, wobei Studierende von geschiedenen Eltern weitaus öfter in ökonomisch bedingte Schwierigkeiten kämen, so der Bericht. Die durchschnittlichen Gesamtausgaben der Studierenden wurden mit monatlich 970 Euro beziffert. Die Bereiche Wohnen und Ernährung fielen hier am stärksten ins Gewicht.

Hinsichtlich des Zeitbudgets weist der Bericht darauf hin, dass Studierende im Schnitt eine 45-Stunden-Woche zu bewältigen haben, wobei 33 Stunden für das Studium und 11,5 Stunden für Erwerbstätigkeit aufgewendet werden. Mit zunehmendem Alter würde das Ausmaß beruflicher Tätigkeit kontinuierlich gesteigert, was ab einer Beschäftigung im Umfang von über 10 Wochenstunden eine deutliche Verringerung der Studienintensität zur Folge habe, so die Ergebnisse der Befragung.

Interessant erscheint vor allem das Verhalten von Bachelorstudierenden nach Abschluss des Kurzstudiums. 80 % dieser StudentInnen gaben an, ein Masterstudium anschließen zu wollen, nur 5 % konnten sich nach dessen Beendigung vorstellen, ausschließlich erwerbstätig zu sein. Als Grund für dieses Verhalten gibt der Bericht das Imageproblem des Bachelors an, der von 47 % der Befragten als nicht ausreichender Studienabschluss bewertet wurde.

Die Möglichkeit, Studium und Erwerbstätigkeit zu vereinen, wurde überwiegend als schwierig eingestuft. 81 % der Vollbeschäftigten und 57 % der Teilzeitbeschäftigten stimmten dieser Feststellung zu. Insgesamt bewerteten die Studierenden die Rahmenbedingungen für ihr Studium jedoch durchschnittlich mit gut. Hinsichtlich der Möglichkeit der Absolvierung in Mindestzeit zeigt sich ein heterogenes Bild, das deutliche Unterschiede zwischen den Studienrichtungen zu Tage treten lässt.

Der Bericht zeigt auf, dass nur ein Drittel der Studierenden nicht unter stressbedingten gesundheitlichen Beschwerden leide, wobei StudentInnen der Veterinär- und Humanmedizin besonders stark betroffen seien. Gesundheitliche Beeinträchtigungen brachte jeder fünfte Studierende zur Sprache, 40 % hiervon sehen damit Auswirkungen für den Fortschritt ihrer Ausbildung verbunden. Studierende mit psychischen Problemen und chronischen Erkrankungen können hierbei als jene Gruppe identifiziert werden, die mit derartigen Problemen am häufigsten konfrontiert ist.

Der Anteil von Studierenden mit Kind ist von 11 % im Jahre 2002 auf 7 % deutlich gesunken. Die Gruppe der AlleinerzieherInnen ist aber mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, was in einer selteneren Erwerbstätigkeit und einer niedrigeren Prüfungsaktivität zu Buche schlägt. Kinderbetreuung wird überwiegend privat organisiert, der Mangel an derartigen Einrichtungen von fast 60 % der studierenden Mütter beklagt.

Bei den Doktoratsstudierenden kann ein Rückgang des Frauenanteils gegenüber dem Erststudium konstatiert werden, der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund stieg allerdings von 12 % auf 19 %. Zeitliche Restriktionen werden hier aufgrund des erhöhten Erwerbsanteils von 82 % öfter als Behinderung des Studienfortschritts bezeichnet, obgleich ein Drittel der Doktoratsstudierenden an der jeweiligen Universität beschäftigt ist.

Die Studierenden-Sozialerhebung 2006 berücksichtigte erstmals auch ausländische StudentInnen. Der Bericht weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Frauenquote unter Bildungsinländern mit Migrationshintergrund über dem Vergleichswert liege und dem Studienmotiv der Erreichung höheren Ansehens eine weitaus höhere Bedeutung zukäme. BildungsausländerInnen lägen mit einem zur Verfügung stehenden Gesamtbudget von monatlich 881 Euro weit unter dem Durchschnittswert. Insgesamt weisen die Ergebnisse der Befragung auf einen enormen Unterstützungs- und Beratungsbedarf dieser Gruppe hin.

Weitere Unterkapitel des Berichts umfassen die Situation der so genannten "Weiterbildungs-Studierenden" und nehmen die Gruppe der StudentInnen mit finanziellen Problemen in den Fokus. (Schluss)

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