"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Vielstimmiger Mißklang" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 23. Jänner 2008

Innsbruck (OTS) - Semino Rossi tut viel für Tirol. Die Gegenleistung des Landes hat dennoch im Gesetzesrahmen zu bleiben.

Semino Rossi zieht also von Hall nach Mils um. Diese Tatsache an sich ergibt keine weltbewegende Nachricht. Außer für die Haller, die einen dicken Werbefisch von der Angel lassen, und für die Milser, die eben diesen Fisch an Land ziehen.

Ein Blick etwa über den Brenner in das schöne Dorf Kastelruth genügt, um sich die Dimension zu vergegenwärtigen, in der sich das Geschäft mit berühmten Söhnen einer Gemeinde abspielen kann. Zehn Prozent der Nächtigungen, schätzt der dortige Tourismuschef, gehen auf das Konto von Fans der "Kastelruther Spatzen". Norbert Rier, Chef der volkstümlichen Multimillionäre, erklärt das trocken zur Untertreibung.

Von breiterem Interesse als der Standort des neuen Eigenheims der Rossis ist, wie es dazu kam, dass der argentinisch-tirolische Schlagersänger seine langjährige Heimatgemeinde verlässt. Da entfaltet sich ein vielstimmiger Missklang der augenzwinkernd versuchten Umgehung von Gesetzen und verpasster Chancen, unterlegt mit einer Basslinie aus Missgunst.

Der enorme Erfolg seiner Musik kam nicht nur für Rossi letztlich überraschend; auch die Haller Stadtverantwortlichen verstanden lange nicht, welches Potenzial in einem allürenfreien Sympathieträger wie Rossi steckt. Er tut - ein Nebeneffekt seiner harten Arbeit - etwas für Tirol, also kann und soll Tirol auch etwas für ihn tun. Eine Hand wäscht die andere? Warum nicht - solange beide Teile dabei sauber sind und bleiben!

Rossi viel zu billig ein Riesengrundstück zu verkaufen, wäre über die moralisch zulässige Auslegung dieser Redensart weit hinausgegangen. In Mils unter neuen Vorzeichen neu anzufangen, ist vernünftig - nicht zuletzt für Rossis makelloses Image.

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