Neues Volksblatt: "Seit 30 Jahren" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 23. Jänner 2008

Linz (OTS) - De facto ist die Geschichte der Zuwanderung in Österreich und den westeuropäischen Industriestaaten eine Geschichte der Fehleinschätzungen und Versäumnisse - durchaus auf beiden Seiten. Das begann vor über 30 Jahren mit "Gastarbeitern", die sich selbst ebenso wie die Mehrheitsgesellschaft über Jahre nicht eingestehen wollten, dass ihr Bleiben hier spätestens mit der Geburt ihrer Kinder nicht mehr auf Zeit, sondern auf Dauer ist. Heute, bei der Generation ihrer Kinder und Kindeskinder, mündet dieses Dasein oft in einen Zwiespalt, in dem Österreich als Heimat ebenso fremd bleibt wie das Herkunftsland, und der nahtlos in ein Sonderdasein in abgeschotteten Parallelgesellschaften führt - woraus sich wiederum beide Seiten, Migranten wie traditionell in Österreich Ansässige in ihren gegenseitigen Vorwürfen der Ab- und Ausgrenzung bestätigt fühlen. Bis hin zu Kreisky türmen sich die Versäumnisse der Regierungen bezüglich einer echten Integrationspolitik, die potenzielle Spannungsfelder in Zukunftschancen wandelt. Allein von daher ist der jetzige Integrationsdialog ein Riesen-Fortschritt - auch, wenn er tatsächlich erst an konkreten Maßnahmen zu messen sein wird.

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