WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Börse - undurchschaubar wie eine Frau - von Robert Gillinger

Aber eines ist klar - ohne geht’s auch nicht

Wien (OTS) - "Kaufen, wenn die Kanonen donnern". Mit diesem
uralten Börsespruch wurden Vermögen geschaffen. Derzeit donnern zwar nicht die Kanonen, die Aktienmärkte sind trotzdem erschüttert. Der Grund ist mittlerweile altbekannt - die Furcht, dass die USA in eine Rezession abgleiten. Laut aktuellen Prognosen werden wir darum herumkommen: Für das erste Quartal 2008 liegt die Erwartung im Median bei einem BIP-Plus von 1,1 Prozent - was zugleich den Tiefpunkt darstellen soll. Doch fix ist das nicht - auch Analysten können ihre Meinung ändern: Im Dezember lag die Schätzung für das erste Quartal noch bei 1,5 Prozent, 2,0 waren es im November, gar 2,6 Prozent im Februar.

Dass sowohl Notenbank (Zinssenkungen) wie auch die US-Regierung (Steuersenkungspaket) rigid gegen Rezessionstendenzen vorgehen, ist klar. Sowohl die Zinssenkungen wie auch das Steuersenkungspaket haben aber einen Nebeneffekt: Inflation.

Begonnen haben die aktuellen Probleme übrigens vor rund sieben Jahren; damals platzte die New Economy-Blase und die Notenbank überschwemmte den Markt, um der drohenden Rezession Herr zu werden, mit Geld. Was auch geschafft wurde. Das billige Geld floss vor allem in Finanzaktiva (Aktien) und reale Vermögenswerte (Immobilien), was zu inflationären Kursentwicklungen führte. Dass jetzt diese Luft entweicht, ist an sich begrüssenswert und ermöglicht Anlegern, Aktien zu akzeptablen Preisen zum langfristigen Vermögensaufbau ins Portfolio zu kaufen - auch wenn vor einem grossen Einstieg eine Bodenbildung abgewartet werden sollte.

Das Thema Inflation wird uns aber auf jeden Fall in nächster Zeit beschäftigen. Auch hier hilft vielleicht ein Blick in die Historie -wieder mit positivem Ausgang für Aktien. Denn diese beziehen sich letztlich auf den Gegenwert des unternehmerischen Sachkapitalstocks, dessen realer Wert durch Inflation nicht berührt wird. Ausserdem erhöhen sich mit steigenden Preisen auch die Unternehmensgewinne, die Dividendenzahlungen und in der Folge die Aktienkurse. Und je höher die Inflation steigt, desto grösser wird die Flucht in Sachwerte wie Aktien. Dazu gibt es übrigens eine Studie - "Stock Returns and Inflation" (im American Economic Review von Jacob Boudoukh und Matthew Richardson) - die sich den Zeitraum von 1802 bis 1990 vornahm; über Fünf-Jahres-Perioden wurde der Zusammenhang zwischen steigender Inflation und davon tendenziell profitierenden Aktienkursen dargelegt. Die Aktie ist halt weiblich: Undurchschaubar, aber ohne geht’s nicht...

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