Österreichs Agrotreibstoff-Ziele unhaltbar

Greenpeace: Bioethanolwerk Pischelsdorf bis heute nicht in Betrieb

Wien (OTS) - Das Ziel von Umweltminister Pröll, 2010 eine Agrotreibstoff-Beimischungsquote von zehn Prozent zu haben, wird zunehmend unhaltbarer, kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace heute in einer Aussendung. Inzwischen zweifelt sogar EU-Umweltkommissar Dimas die Erreichbarkeit dieses Zieles an, und auch in Österreich gelingt die derzeitige Beimischung nur durch Importe. "Aufgrund der anhaltend hohen Getreidepreise ist es unwahrscheinlich, dass die Anlage in Pischelsdorf jemals kommerziell in Betrieb gehen wird", vermutet Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof.

Mittlerweile wird allgemein anerkannt, dass die EU-Ziele für die Beimischung von Agrotreibstoffen nur erreicht werden können, wenn man damit weit reichenden ökologischen Schaden in Kauf nimmt, so etwa durch weitere Urwaldrodung für die Errichtung von Plantagen. Immer mehr EU-Politiker kommen zu dem Schluss, dass die angestrebte Beimischung von zehn Prozent unrealistisch ist. Umweltminister Pröll hält dagegen trotzdem daran fest. "Der Grund dafür dürfte sein, dass mit den Agrotreibstoffen eine der letzten Säulen von Prölls Klimapolitik fallen würde", so Westerhof.

Ein Bioethanol-Werk in Pischelsdorf/NÖ hätte aus heimischen Getreidesorten und Zuckerrüben Bioethanol herstellen sollen. Es liegt jedoch aufgrund der hohen Rohstoffpreise nach wie vor still, obwohl es bereits im Oktober 2007 in Betrieb hätte gehen sollen.

Somit müssen Agrotreibstoffe zu einem großen Teil importiert werden, und es droht die Gefahr, dass noch mehr Palmöl nach Österreich kommt, wofür wiederum der indonesische Urwald abgeholzt wird. Andererseits bedeuten diese Importe auch eine Verlagerung der Emissionen ins Ausland, weil sie im Herkunftsland der Rohstoffe den CO2-Emissionen der dortigen Landwirtschaft angerechnet werden. "Ein wesentlicher Teil der Reduktion unserer
CO2-Emissionen von 2005 auf 2006 ist auf diese Verlagerung der Emissionen ins Ausland zurückzuführen", weiß Jurrien Westerhof, "mit tatsächlichem Klimaschutz hat das jedoch so gut wie nichts zu tun."

Greenpeace zufolge gibt es für Agrotreibstoffe ein äußerst begrenztes Potenzial, das gewiss nicht für zehn Prozent Beimischung ausreicht, solange Autos so viel Treibstoff verbrauchen wie derzeit. "Es ist wohl nicht mehr zu leugnen, dass Österreichs bisherige Klimaschutz-Politik gescheitert ist und ein grundsätzlich anderer Ansatz benötigt wird", schließt Westerhof. So könnte die bevorstehende Steuerreform dazu genützt werden, das österreichische Steuersystem zu ökologisieren. Und Umweltminister Pröll muss sich dafür stark machen, dass die EU CO2-Emissionsobergrenzen für Pkw von 120 Gramm pro Kilometer in 2012 und achtzig Gramm pro Kilometer in 2020 beschließt.

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Attila Cerman, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-3435354
DI Jurrien Westerhof, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-6126701

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