"Kleine Zeitung" Kommentar: "Von der Autorität als Verlierer: Voves musste Flagge zeigen" (von Claus Albertani)

Ausgabe vom 22.01.2008

Graz (OTS) - Der alte ABBA-Hit "The Winner Takes It All" gilt diesmal umgekehrt: Die Grazer SPÖ, die am Sonntag nicht nur das Hemd, sondern auch die Hosen verloren hat, muss alles schlucken. Und der indirekte Chef der Verlierer, der Landesparteivorsitzende Franz Voves, kassiert mit einem Schlag alles.

Jetzt, im Zeitpunkt der tiefsten Depression nach einer vernichtenden Niederlage, nutzte Voves die Gunst der Stunde und setzte sich gegen den bisher übermächtigen Gewerkschaftsflügel durch. Wolfgang Riedler wird neuer Parteichef, Landesgeschäftsführerin Elke Edlinger wird neue Stadträtin. Diese beiden sind auch verantwortlich für die Reorganisation der überalterten Parteiorganisation.

Voraussetzung für diese Weichenstellung war - und das ist geradezu paradox - die verheerende Niederlage. Und zwar die zweite, denn bereits 2003 hatte die SPÖ unter Walter Ferk fünf Prozentpunkte bei den Stimmen, die Mehrheit im Gemeinderat und das Amt des Bürgermeisters verloren. Der damalige Schock war nicht groß genug gewesen, Voves war mit seinen Erneuerungswünschen kalt abgeschmettert worden.

Am Sonntag sah er seine Stunde gekommen und schlug zurück: Um sicherzustellen, dass sich der Gewerkschaftsblock nicht doch noch organisiert und Widerstand leistet, ließ Voves bereits in der Nacht die Telefone heißlaufen: Er sprach mit allen Bezirksvorsitzenden -wohlgemerkt nicht mit denen aus Graz, sondern mit denen der 17 steirischen Bezirke -, um bereits vor der Präsidiumssitzung Riedler als neuen Chef auszurufen.

Die Grazer wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das hat weniger mit Rache zu tun, als vielmehr mit Weitblick oder dem Ziel Machterhalt: Hätte er sich jetzt wieder nicht durchgesetzt, hätte seine Autorität in der Partei weiter gelitten. Denn Voves ist kein Parteioffizier, der seinen Weg durch die Organisation nach oben gemacht und dabei viele Seilschaften geknüpft hat. Seine einzige Autorität ist der Erfolg, der Sieg über die ÖVP bei der Landtagswahl.

Genau diese Autorität gerät in Gefahr, wenn die Grazer SPÖ jener Scherbenhaufen bleibt, der sie derzeit ist. Dazu ein paar Zahlen, auch wenn Vergleiche immer hinken: Voves hatte bei der Landtagswahl 2005 rund 21.000 Stimmen mehr als die ÖVP, davon 3000 in Graz.

Am Sonntag erreichte die SPÖ in Graz 20.000 Stimmen weniger als die ÖVP. Also eine Differenz von 23.000 Stimmen. Wenn Voves nun in Graz ans Aufräumen geht, geht es ihm in erster Linie um den Landeshauptmann - und erst dann um Graz. ****

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