"KURIER"-Kommentar von Michael Hugnagl: "Wahlen, na und?"

Alarm! Die Nichtwähler kratzen schon an einer absoluten Mehrheit.

Wien (OTS) - Wieder eine Wahl. Wieder eine Partie Activity. Politiker sitzen in einer als TV-Studio getarnten Sandkiste und werfen Gatsch - Parole hier und Phrase da. Prozentzahlen interpretieren, Ergebnisse relativieren, demagogische Finten inszenieren. Im Stakkato. Wie immer. Und niemand stellt die Frage, ob die Tatsache, dass in Graz fast jeder Zweite auf sein Stimmrecht verzichtet hat, mit genau diesem Schauspiel zu tun haben könnte -als Symbol für ein völlig entrücktes Verständnis vom Umgang mit Alltag und Problemen.
Stattdessen hören wir, dass man Nichtwähler "sehr ernst" nehmen müsse, ehe man sich sehr ernst wieder der Unkrautpflege im parteipolitischen Schrebergarten widmet. Und tönt der erste Diskutant, man dürfe "Wähler nicht für blöd verkaufen", hat er es schon getan. Denn es stinkt den Menschen, oder es ist ihnen wurscht -beides ist alarmierend. Das Beispiel der "Islam-Debatte" beweist, dass es statt eines seriösen Diskurses nur links und rechts, schwarz und weiß, gut und böse gibt. Aber das heiße Eisen ist zu bedeutend, um es auf dem Altar der Geschwätzigkeit zu opfern. Es gehört im Sinne von Sorgen, Ängsten und Fragen längst an gefühlvolle Denker delegiert. Die spürbar Konsens, Konzepte und Visionen im Sinn haben. Und nicht nur die nächste Wahl.

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