"KURIER"-Kommentar von Andrea Hodoschek: Parallelwelt

Die Politik hat kaum noch Chancen, die Finanzmärkte in den Griff zu bekommen.

Wien (OTS) - Am Montag ist nach wochenlangen Verlusten an Börsen offenbar weltweit die Panik ausgebrochen, auch in Europa. Das absurde an diesem schwarzen Montag ist, dass es keinen realwirtschaftlichen Grund für derartige Kursabstürze auf breiter Basis gibt. Zwar wird eine Rezession in den USA immer wahrscheinlicher, aber trotzdem wäre das kein Grund zu solcher Panik, vor allem nicht in Europa. Eigentlich. Denn neben der realen Welt gibt es jene der Kapitalmärkte, deren negativer Einfluss die Basiswirtschaft mit nach unten zieht. Diese spekulative Welt der Kapitalmärkte hat sich längst den Gesetzen der Vernunft und der Ethik entzogen und ist bereits wesentlich größer als die Realwirtschaft. Nur als Vergleich der Größenordnungen: Das Volumen der Devisentransaktionen ist einige hundert Mal (!) höher als der Welthandel mit Gütern und Dienstleistungen. Die Regierungen haben dem Entstehen dieser Parallelwelt nicht nur tatenlos zugesehen, sondern dies sogar forciert. Indem auch Europa Teile der sozialen Sicherungssysteme an die Kapitalmärkte ausgelagert hat (Stichwort Altersvorsorge) und Brüssel die Freiheit der Finanzwelt auf seine Fahnen schrieb. Vielleicht ist es schon zu spät und die Politik bekommt diese Entwicklung ohnehin nicht mehr in den Griff. Eine Steuer auf Finanztransaktionen klingt vernünftig, klappt aber nur weltweit. Und ist damit wieder nicht realistisch. Auch der EU ist bis dato außer punktuellen Vorschlägen nicht viel eingefallen. Gemeinsamens und rasches Handeln ist jetzt aber das oberste Gebot. Sonst ist es tatsächlich bald zu spät.

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