Caritas-Februarsammlung 2008: "Kälte ist kein Kinderspiel"

Die Caritas sammelt für Kinder in den ärmsten Ländern Europas und übt scharfe Kritik an der Tsunami-Hilfe der österreichischen Bundesregierung

Wien, 21.01.2008 (OTS) - "Der Winter ist für die Kinder in den ärmsten Ländern Europas oft lebensbedrohend. In der Ukraine, in Weißrussland, in Albanien, Rumänien, Armenien... bleiben tausende Wohnungen ungeheizt. Viele Mädchen und Buben werden krank. Das ist der Grund, warum die Caritas die heurige Februarsammlung unter das Motto "Kälte ist kein Kinderspiel" gestellt hat", sagt Caritas-Präsident Franz Küberl: "Ich bitte alle Menschen in Österreich, die ein paar Euro entbehren können: Bitte, spenden Sie Wärme! Mit 30 Euro können wir ein Straßenkind einen Monat lang betreuen." Denn: "Die einzige Hilfe gegen Kälte ist Nächstenliebe, die wärmt: Ein warmer Ofen, eine warme Suppe, warme Kleider und Schuhe oder auch ein wärmendes Dach über dem Kopf in Waisenhäusern und Kindertagesstätten", ist Küberl überzeugt. Die Caritas finanziert mit den Spenden der Februarkampagne rund 250 Projekte in den ärmsten Ländern Europas, vorwiegend in Ost- und Südeuropa.

Der Caritas-Präsident nimmt aber auch die heimische Regierung in die Pflicht: "In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst, sind alle Länder, besonders die reichen, dazu aufgerufen, ihren Beitrag zu einer globalen Armutsbekämpfung zu leisten." Küberl kritisiert in diesem Zusammenhang das Agieren der Regierung nach dem Tsunami: "Wenn die österreichische Bundesregierung 34 Millionen Euro für Nothilfe für die Tsunami-Opfer verspricht und dann weniger als ein Drittel leistet und noch dazu Minister und Regierungsbeauftragte mit Journalisten um teures Geld stolz zur Eröffnung von Projekten reisen, die mit Privatspenden finanziert und von Hilfsorganisationen aufgebaut wurden, dann halte ich das für einen Betrug an den Menschen, die Hilfe brauchen, und einen Missbrauch jener, die Hilfe leisten, zu obskurer Regierungsprofilierung."

Die Regierung habe aber mehrere Chancen, den angerichteten Vertrauensverlust wieder gutzumachen, betont Küberl: So werde das Doppelbudget 2009/2010, das heuer gemacht werden müsse, zeigen, ob die Regierung ihre Zusage, die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,51 Prozent des Bruttonationalprodukts zu erhöhen, tatsächlich ernst meint. "Die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden soll endlich von den Sonntagspredigten des Finanzministers in die Montagsarbeit des Finanzamtes einfließen", fordert Küberl weiters. Und: "Es geht auch darum, alles dafür zu tun, dass jeder Mensch in seiner Heimat eine lebenswerte Zukunft mit Perspektiven vorfindet."

Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer ergänzt: "Für Katastrophen sollte es einen fix dotierten Auslandskatastrophenfonds im Außenministerium geben - auch für so genannte stille Katastrophen abseits der Medienöffentlichkeit." Und: "In Zukunft müssen von der Regierung beschlossene Hilfsmittel nach klaren, transparenten Regeln vergeben und auch tatsächlich für die Katastrophenopfer eingesetzt werden. Hilfreich könnte hier die Abwicklung der Gelder über die ADA, die Entwicklungshilfeorganisation der Regierung, sein."

Petrik-Schweifer und Coudenhove-Kalergi: "Dramatische Zustände in Albanien"

"Die Dörfer in den Bergen Albaniens sind teilweise so heruntergekommen, dass man sich nicht fragt, warum jemand weggeht, sondern warum überhaupt noch jemand da ist", berichtet Petrik-Schweifer von dramatischen Lebensbedingungen in Albanien. Ebenso wie Küberl und Osteuropa-Expertin Barbara Coudenhove-Kalergi ist er soeben von einem Lokalaugenschein in diesem Land zurückgekehrt. Die Caritas Österreich arbeite in neun albanischen Hilfsprojekten mit lokalen Partnern zusammen, erklärt Petrik-Schweifer: "Die Erfahrung dahinter ist, dass die Verantwortlichen unserer Partnerorganisationen Teil einer wachsenden Zivilgesellschaft sind. Und diese starke Zivilgesellschaft, die den Mut und die Kraft hat, die nötigen Schritte bei der albanischen Politik einzufordern, braucht es auch, um zu einer umfassenden Entwicklung im Land beizutragen." So arbeite die von der Caritas unterstützte Frauenorganisation "Useful for Albanian Women" daran, häusliche Gewalt zum Thema zu machen. Die Projekte seien, so Petrik-Schweifer, auch Ansporn und Vorbild für die lokalen Verantwortungsträger, weil sie den Scheinwerfer auf die sozialen Wunden richteten und zugleich Lösungen präsentierten. Dass die Hilfe für Menschen in Not - nach dem Caritas-Prinzip - unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder Religionszugehörigkeit erfolge, sieht Petrik-Schweifer auch als "Beitrag zum tatkräftigen, interreligiösen Dialog."

"Ich war schon vor fünf Jahren bei einer Caritasreise nach Albanien dabei und der Vergleich zu heute fällt auf der einen Seite entmutigend, auf der anderen Seite ermutigend aus", berichtet Osteuropa-Expertin Barbara Coudenhove-Kalergi. "Die Armut im Land ist immer noch herzzerreißend. Die Preise sind die gleichen wie bei uns, aber der Mindestlohn beträgt 1oo Euro, ein Mittelschullehrer verdient 2oo Euro", ist sie betroffen. Aber im Gegensatz zu damals, als es noch kaum einheimische Initiativen zur Armutsbekämpfung gegeben habe, seien mittlerweile eindrucksvolle, von Einheimischen getragene Projekte entstanden, die von der Caritas unterstützt würden, so Coudenhove-Kalergi. Schwerpunkte sind Hilfe für Frauen, Hilfe für Roma und Hilfe für die weitgehend von staatlicher Obsorge abgeschnittene Bergregion im Norden.

Wiener Städtische und Erste Bank helfen mit
Die Caritas freut sich, dass die Februarsammlung auch heuer mit sehr geringen Kosten auskommt. Die Kooperation mit Erste Bank und Wiener Städtische hilft, die Produktionskosten zu decken. ORF, Plakatwirtschaft und Printmedien, private Hörfunk- und Fernsehsender stellen Werbung zum Nulltarif zur Verfügung.

Die Caritas sammelt unter dem Motto "Kälte ist kein Kinderspiel" für Kinder in den ärmsten Ländern Europas: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Osteuropa-Hilfe
Online-Spenden: www.caritas.at

Service: Fotos zur laufenden Caritas-Spendenkampagne zur honorarfreien Verwendung finden Sie unter:
http://bild-db.caritas-wien.at:80/imagine/ims/login.do

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Rückfragen & Kontakt:

Silke Ruprechtsberger, Caritas Österreich
Tel: 01/488 31 - 417 bzw. 0664/82 66 909

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