"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kein Grund zur Panik trotz Todesfalls nach HPV-Impfung?" (Von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 18.01.2008

Graz (OTS) - Gesundheitsministerium und Oberster Sanitätsrat
wollen also abwarten. Gewartet wurde bis gestern auf jenes Gutachten der Gerichtsmedizin, das die Ursache für den Tod einer 19-jährigen Studentin nach einer HPV-Teilimpfunguntersucht. Gewartet wurde wegen des Krankenstandes des Gutachters seit Anfang Dezember. Und trotz der Verdachtsmomente wurde die weltweit erste Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs weiter als "sicher" eingestuft. Eine kühne Einstufung des Ministeriums auf dünnem Eis? Wenn der Schutz der Mädchen, die geimpft werden, höherrangig als Interessen der Pharmaindustrie gewertet würde, hätte die Empfehlung bis zur Klärung längst auf "Abwarten" lauten müssen.

Zweifelsohne mag es Gründe für das Ministerium geben, die Impfung trotz des Todesfalles und der lebensbedrohlichen Erkrankung einer 15-Jährigen weiter zu empfehlen. Da kann auf 30.000 Frauen verwiesen werden, die in Studien untersucht wurden. In keiner soll es zu Atemlähmungen gekommen sein. Da kann ebenfalls darauf verwiesen werden, dass weltweit schon weit mehr als zehn Millionen Impfungen verabreicht wurden. Gleichzeitig findet aber ein "Infokrieg" unter Kritikern der Impfung statt, die auf 1600 Fälle mit Nachwirkungen in den USA verweisen. Der jüngste Hinweis eines Wiener Arztes auf das Medikament Contergan, das in den 50er-Jahren als unbedenklich eingestuft wurde und zu Fehlbildungen Tausender Kinder führte, wird zusätzlich für Panik sorgen.

Abseits aller undifferenzierter Panikmache und Hysterie: Es ist skandalös, dassbei den vorliegenden Verdachtsmomenten wegen des Krankenstandes eines Gutachters erst nach drei Monaten ein Untersuchungsergebnis auf dem Tisch liegt. Es ist ebenso skandalös, dassEltern, die ihre Kinder impfen ließen, über die offene Frage der zeitlichen Wirksamkeit der rund 500 Euro teuren Impfungen nicht informiert worden sind.

Dass Medikamente wegen Nebenwirkungen immer wieder vom Markt genommen werden, ist nichts Neues. Ebenso, dass klinische Studien nicht alles ausleuchten können und ein Restrisiko bleibt. Die Frage des Restrisikos stellen sich zurzeit auch HPV-geimpfte Mädchen, die vor der nächsten Teilimpfung stehen. Im Gegensatz zum Gesundheitsministerium hat jetzt der Präsident der Krebshilfe den "Rat zum Abwarten" gegeben. Was also? Impfen oder doch nicht impfen? Die Entscheidung, die der überforderte Laie in der Nutzen-Risiko-Bewertung treffen wird, dürfte klar sein: Abwarten.****

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