WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Da haben wir wieder den Salat mit dem Proporz - von Esther Mitterstieler

Die alte schwarz-rote Proporz-misere ist wieder da

Wien (OTS) - Was ist da eigentlich los? Das wäre die Frage, die
man sich in einem "normalen" Unternehmen stellen müsste. Mit normal ist gemeint: eines, das unter den üblichen Bedingungen der Marktwirtschaft agiert.
Tut die AUA auch in den meisten Bereichen, nur eben im Vorstand nicht. Da ist ein Unternehmen an der Börse notiert und hat in einer ohnehin angespannten finanziellen Situation nichts Besseres zu tun, als Schlagzeilen zu liefern, weil das Vorstandsteam im Dauerstreit gefesselt ist. Damit es daneben nicht zu langweilig wird, liegen Aufsichtrats- und Vorstandschef im Clinch über die Erweiterung des Vorstands. Und dann kommt das Sahnehäubchen drauf: Finanzvorstand Thomas Kleibl geht. Nun mag man frohlocken und sagen, ein Streithansl ist weg, dem noch dazu vom Betriebsrat einige Ungereimtheiten vorgeworfen werden. So etwa, dass er sich von AUA-Mitarbeitern beim Umzug habe helfen lassen.

Es mag eine Schmutzkübelkampagne gegen einen einzelnen Manager sein. Eines ist aber gewiss: Ohne die alte Krankheit des Proporzes hätte es eine derartig frappierende Lage in einem strategisch bedeutenden Unternehmen wie der AUA nicht gegeben.

Was ist da eigentlich los? Ganz einfach: Die alte schwarz-rote Proporzmisere ist los. Ein Jahr Regierung, ein Jahr Streit? Ganz so schlimm kann der nicht sein. Gerade in den staatsnahen Betrieben zeigt sich, wie vergessen geglaubte Muster fröhliche Urständ’ feiern. Nicht, dass es in sieben Schüssel-Jahren anders gewesen wäre, da war Blau bzw. Orange statt Rot als Zusatzfarbe angesagt. Dass die SPÖ damals gegen diese Aufteilungspolitik wetterte, ist längst Schnee von gestern.

Das Üble an der Sache ist ja nicht, dass ein Manager nicht ein guter Manager sein kann, obwohl er über Parteipfade zu einem Job bei Verbund, Asfinag, ÖBB, Telekom Austria oder OMV gekommen ist. Blöd ist aber, dass durch dieses Festklammern am Proporzfilz auch tolle Manager in denselben Topf geschmissen werden wie mässig begabte. So fragt bei OMV-Boss Ruttenstorfer längst keiner mehr nach seiner Farbe. So sollte es durchgehend sein.

Denn die politischen Streitereien um Besetzungen in den staatsnahen Betrieben bringen keinem etwas. "Ausser Spesen ist nichts gewesen", heisst es sonst leider nur zu oft, siehe Asfinag, siehe Seibersdorf. Dafür scheint genug (Abfertigungs-)Geld da zu sein. Das ist los in diesem Land.

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