Das Energiesystem jetzt umbauen!

Heinz Kopetz, Vorsitzender des Europäischen und Österreichischen Biomasse-Verbandes

Wien (OTS) - Die letzte Mitteleuropäische Biomassekonferenz fand
im Jänner 2005 in Graz statt. Seit damals beobachten wir Entwicklungen, die teilweise erwartet, teilweise aber auch völlig überraschend eingetreten sind. So haben sich nicht nur die Energiepreise, sondern auch die Preise wichtiger Agrargüter entscheidend nach oben entwickelt. Zahlreiche, neue beunruhigende Erkenntnisse über den Klimawandel als Folge des Energiesystems liegen mittlerweile vor.

Dazu einige Fakten:

  • Die Erdölpreise sind in diesen drei Jahren um 120 % gestiegen - von 43 $ auf 95 $/Fass.
  • Die Erdgaspreise sind heute um 70 % höher.
  • Die Preise für Getreide und Mais haben sich praktisch verdoppelt.
  • Die Nachfrage nach Erdöl insbesondere in Indien und China nimmt jährlich mit zweistelligen Zuwachsraten zu.
  • Der jüngste Bericht des IPCC belegt mit zahlreichen Fakten die beginnende Erderwärmung, deren Ursachen überwiegend im fossilen Energiesystem liegen.

Jüngste Studien zeigen, dass von den 48 größten, Öl produzierenden Ländern schon 33 im decline sind, also jährlich weniger produzieren. Viele Fachleute vertreten daher die Ansicht, dass wir uns weltweit am Maximum der Ölproduktion befinden und die Produktion schon in einigen Jahren global zu sinken beginnen wird.

Die europäische Antwort auf die Energie- und Klimafrage

Die Europäische Union ist sich dieser Herausforderung bewusst. Mit dem Beschluss vom 9. März 2007 hat der Europäische Rat klare Signale für das Jahr 2020 gesetzt.

20 % weniger C02
20 % bessere Energieeffizienz
20 % Anteil Erneuerbare Energie

Vielen ist die Tragweite dieser Vorgaben nicht ganz bewusst. Sie wird anschaulich, wenn man sich die Entwicklung der vergangen Jahre ansieht: In den vergangen 15 Jahren stieg in Europa der Anteil der Erneuerbaren Energien am Verbrauch an Energie um etwa 2 %. Nunmehr wurde verbindlich beschlossen, dass die Erneuerbaren Energien in den kommenden 12 Jahren um rund 12 Prozentanteile zulegen müssen.

Das bedeutet demnach eine substantielle Beschleunigung im Umbau des Energiesystems, ja geradezu eine energiewirtschaftliche Revolution weg von fossiler hin zu solarer Energie, wobei Biomasse als gespeicherte Sonnenenergie einen wichtigen Teil dieser solaren Energien darstellt.

Die Bedeutung der Grazer Konferenz

Die Konferenz will ausgehend von dieser Lagebeurteilung Wege aufzeigen, in welchen Maße die Biomasse einen optimalen Beitrag zur Lösung der Klima- und Umweltprobleme in Europa liefern kann. Erfahrungsaustausch, Wissensweitergabe, Bewusstseinsbildung, die Herstellung von internationalen Kontakten sind dabei eine wichtige Hilfe.

Eines ist klar: Der Biomasse kommt in der künftigen Entwicklung eine Schlüsselrolle zu - nicht nur in der Treibstoffversorgung durch Bioethanol, Biodiesel, Biogas und neue Treibstoffe aus Zellulose -sondern gerade auch in der Wärmeversorgung und der gekoppelten Wärme-und Stromerzeugung.

Deswegen werden in der Konferenz auch alle Fachbereiche Produktion, Wärme, Strom Treibstoffe sowie Spezialthemen wie Feinstaub abgedeckt.

Unsere Tagung soll auch aufzeigen, wie innovativ viele Landwirte, Unternehmer und Wissenschaftler an der Aufgabe arbeiten durch neue Kulturen und Anbaumethoden, den Energieertrag je Hektar zu steigern. Mehrjährige Kulturen wie Kurzumtriebswälder, Miscanthus und andere zeigen, dass Energieerträge je Hektar von 6000 und 7000 Liter Öläquivalent möglich sind. Damit aber steigt das Potential der Biomasse enorm.

Die Konferenz hat auch eine große wirtschaftliche Bedeutung: es geht um Investitionen, neue Technologien, Arbeitsplätze, Exporte: Die Anwesenheit von Teilnehmern aus 50 Ländern, und vier Kontinenten unterstreicht die Attraktion der Steiermark als gute Adresse für Bioenergie.

Ausblick: der Umbau des Energiesystems

Die EU-Beschlüsse verlangen mehr als eine Verdoppelung der erneuerbaren Energie bis 2020, für die Biomasse fast eine Verdreifachung. Das kann nur gelingen, wenn es zu einer fundamentalen Änderung der Energiepolitik der Mitgliedländer sowohl in der Aufbringung wie im Verbrauch der Energie kommt. Diese Neuorientierung schließt die Steuer-, Ordnungs- und Förderpolitik ein.

Viele werden sich fragen: Ist das notwendig, ist das zumutbar, ist das nicht eine Übertreibung? Doch das führt zur Gegenfrage: Was ist die Alternative zu diesem Kurswechsel?
Weiter steigende CO2 Emissionen, erhöhte Abhängigkeit, vergrößerte Unsicherheit, steigende Milliardenausgaben für Energieimporte und CO2 Zertifikate. Und das ist noch nicht alles. Die Alternative zur Energiewende ist ein globales Klima- und Wirtschaftsexperiment mit einschneidenden Verlusten an Wohlstand für Alle und gänzlich ungewissem Ausgang für unser Ökosystem.

Die Energiewende bringt dagegen Sicherheit, neue Arbeitsplätze, Unabhängigkeit, Frieden. Rückgang der Treibhausgase und dauerhafte Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund soll die Grazer Konferenz soll einen wichtigen Beitrag dazu liefern, in Mitteleuropa eine zukunftsfähige, nachhaltige Energieversorgung aufzubauen.

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